Symposium

Selbstoptimierung ist Trend und Plage zugleich

Trafen sich in Warsteiner: Gastredner aus ganz Deutschland kamen zum

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Trafen sich in Warsteiner: Gastredner aus ganz Deutschland kamen zum Foto: WP

Warstein.   Gestern referierten im Festsaal des Warsteiner LWL-Klinikums Fachredner aus ganz Deutschland. Ihr Thema: Der selbstoptimierte Mensch 3.0.

Niemand ist perfekt. Doch (fast) jeder will es sein. „Wir haben einen Drang zur Selbstoptimierung“, weiß Prof. Dr. Meinolf Noeker, Krankenhaus-Dezernent am LWL-Klinikum. Ein Trend, der viele Gefahren birgt – davon ist Dr. Martin Gunga, Chefarzt der Abteilung Integrative Psychiatrie und Psychotherapie, überzeugt: „Selbstoptimierung ist die größte Plage der Gegenwart.“ Mit diesem Phänomen befasste sich gestern das 27. Warsteiner Psychotherapie-Symposion im LWL-Festsaal.

145 Gäste aus dem ganzen Bundesgebiet hatten sich nach Warstein aufgemacht, um bei der Veranstaltung unter dem Motto „Der (selbst-)optimierte Mensch 3.0 – Die Jagd nach dem Ideal“ den Vorträgen der Fachreferenten rund um das Thema Perfektionismus zu lauschen und sich bei den zahlreichen Workshops Inspirationen zu holen. „Diese Tagung soll Fragen der Praktiker beantworten, Impulse für eine eventuell andere Sichtweise geben und Ideen vermitteln, wie im praktischen Alltag mit Klienten hilfreicher gearbeitet werden kann“, heißt es in einer Presseinformation vom LWL. Zu den Rednern gehörten medizinische und psychologische Psychotherapeuten sowie Professoren und psychotherapeutische Fachkräfte. Der Mehrwert des Erfahrungsaustausches liege in der „Verknüpfung gesellschaftlicher und psychotherapeutischer Themen“, erklärte Monika Stich, Leiterin der Fort- und Weiterbildungszentren der LWL-Kliniken im Kreis Soest.

Zwei innere Reize

Ein Beispiel sei die Casting-Show „Germany’s next Topmodel“, sagte Meinolf Noecker in seiner Ansprache: „Wir erleben eine neue Form der Ausbeutung, der Ausbeutung durch sich selbst. Das äußere Erscheinungsbild spielt eine signifikante Rolle. Die Mädels stehen vor der Frage: Wie muss ich mich performen, um einen Wettbewerbsvorteil zu haben.“

Allerdings streben nicht nur die Topmodels nach dem maximalen Erfolg, jeder Mensch habe einen antreibenden Reiz. „Und einen zweiten, der unter diesem Trieb leidet, der erschöpft ist, der Angst vor dem Versagen hat“, ergänzte der Krankenhaus-Dezernent. Jeder Mensch habe Angst vor dem Ausschluss, Angst vor der Einsamkeit, Angst vor dem sozialen Tod – dadurch entstünden etwa Burnouts oder Depressionen. „Am Ende steht die Frage: Was tue ich, wenn ich mit meinen Schwächen konfrontiert werde. Verändere ich mich, oder bleibe ich, wie ich bin.“

Düsteres Szenario?

Ist die Jagd nach dem Ideal also nur ein düsteres Szenario, oder gleichzeitig auch eine hippe Chance? Bei dieser Frage gab Martin Gunga, der zum letzten Mal an der Organisation des Symposiums beteiligt war und sich bald in den Ruhestand verabschiedet, seinem Publikum ein paar Kernbotschaften mit an die Hand – wie zum Beispiel: „Mach dein Ding“, „Stell dich dar“ oder „ein steiniger Weg: Das Schönheits-Ideal erfordert Nachhilfe.“

Ebenso umfänglich berichteten die anderen Gastredner über den (selbst-)optimierten Menschen. So sprach etwa Dr. Christine Altstötter-Gleich von der Universität Koblenz-Landau über die Konsequenzen beim Streben nach Perfektionismus, der Diplom-Sportwissenschaftler Christopher Grieben von der Deutschen Sporthochschule Köln referierte zum Thema „E-Health – eine Form der Selbstversklavung“. Für ein wenig musikalische Abwechslung sorgte der pensioniert Pastor Volkert Bahrenberg.

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