Historische Orgel

Experten in Oelinghausen: Orgel-Fan krabbelt ins Gehäuse

Helga Schauerte (mit blauer Mappe) erläutert Experten aus Frankreich die Oelinghauser Klosterkirchen-Orgel

Foto: WP Ted Jones

Helga Schauerte (mit blauer Mappe) erläutert Experten aus Frankreich die Oelinghauser Klosterkirchen-Orgel Foto: WP Ted Jones

Oelinghausen.  „Mit ihrem prachtvollen barocken Orgelprospekt und ihrem einzigartigen Standort auf der raumteilenden, oberhalb der Krypta befindlichen Nonnenempore zählt die Orgel des ehemaligen, 1174 gegründeten Prämonstratenserklosters Oelinghausen zu den bedeutenden und ältesten erhaltenen Orgeldenkmälern im westfälischen Raum.“, so schreibt die international bekannte Organistin und Musikwissenschaftlerin Helga Schauerte in dem im Leipziger Benno-Verlag erschienenen Kalender „Die schönsten Orgeln 2015“ über die historische Orgel der Klosterkirche.

Helga Schauerte gibt Erläuterungen

Nachdem sich eine Woche zuvor der Orgelsachverständige Prof. Harald Vogel bei einer Orgelexkursion begeistert über die historische Oelinghauser Orgel geäußert hatte, waren Mitglieder des Freundeskreises Kloster Oelinghausen gespannt auf das Urteil einer weiteren Besuchergruppe, bestehend aus Organisten, Sängern und Orgelfachleuten aus Frankreich.

Unter der Leitung von Helga Schauerte und in Begleitung des international gefragten französischen Orgelsachverständigen Jean Pierre Decavelle besuchte die Gruppe historisch bedeutende Orgeln im westfälischen und holländischen Raum. Neben der emotionalen Bindung zur Oelinghauser Orgel durch ihren früheren Orgellehrer Prof. Michel, der vom außerordentlichen Klang dieses historischen Instrumentes fasziniert gewesen war, sei es auch ihr Anliegen, so Helga Schauerte, dieses Kleinod ins Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit zu rücken.

Großes Interesse weckten Helga Schauertes Ausführungen zur Geschichte der Oelinghauser Orgel. Sie erklärte den Zuhörern die außergewöhnliche Entstehung und Entwicklung des heutigen Instrumentes aus der Begegnung der westfälischen mit der niederländischen Orgeltradition, die heute noch in der Barockorgel von Johann Berenhard Klausing nachzuspüren ist.

Klausings Konzept, alles noch vorhandene brauchbare Pfeifenmaterial der spätmittelalterlichen Vorgängerorgeln mit in seine Orgel einzubauen, ist aus heutiger Sicht ein absoluter Glücksfall, da von den insgesamt 15 Registern der Orgel noch 9 aus den Vorgängerorgeln von 1599 und davor stammen.

Durch die Verbindung der unterschiedlichen Klangwelten entstand so eine hervorragende Synthese und Balance von zwei unterschiedlichen Strömungen und Stilepochen, der Renaissance und des Frühbarock. „Gerade das Vorhandensein ganzer Register mit original-historischem Pfeifenmaterial im Hauptwerk, bei denen nur vereinzelt Orgelpfeifen restauriert oder ausgetauscht werden mussten, ist äußerst selten in der Orgellandschaft und macht diese Orgel so wertvoll“, betonte Schauerte.

Die vielen, dem jeweiligen Zeitgeschmack geschuldeten späteren Veränderungen an der Klausing-Orgel wurden nach dem Urteil der französischen Experten vorbildlich durch die Schweizerische Orgelfirma Kuhn 1999 -2002 auf den historischen Zustand und dem Klangideal Klausings zurückgeführt,wodurch nach der Restaurierung eine große Homogenität des Instrumentes erreicht wurde.

Nach dem geschichtlichen Rückblick stellte Schauerte die Register mit ihren Eigenschaften und Kombinationsmöglichkeiten vor, die von einem ihrer französischen Organistenkollegen meisterhaft mit stilistisch angepassten Improvisationen vorgespielt wurden. Die Zuhörer waren begeistert von der Klangschönheit und -farbigkeit der Orgel und ihren historisch authentischen Klangqualitäten.

Hervorragende Klangschönheit

Untrennbar sind Orgelklänge mit dem Kirchenraum verbunden, für den sie geschaffen sind. Und so sah man einige französische Besucher sich im Raum verteilen und aufmerksam aus wechselnden Raumpositionen den Klängen der Orgel lauschen.

Während einige Organisten anschließend auf der Empore das Spiel an der Orgel mit viel Freude ausprobierten, der französische Chor danach von der Orgelempore Choräle sang, kroch der Orgelsachverständige Jean Pierre Decavelle in das enge Gehäuse der Orgel, um das Orgelinnenleben persönlich in Augenschein zu nehmen, so dass nur noch seine Fußsohlen zu sehen waren . Sein Kommentar: „Magnifique! Tres bon!“

HINTERGRUND

Helga Schauerte hat neben ihrer Tätigkeit als Organistin der Deutschen Evangelischen Kirche zu Paris und als Orgellehrerin am Pariser Konservatorium Nadia und Lili Boulanger auch eine Orgelakademie in der Auvergne gegründet. Konzerte, Vorträge und Meisterkurse führen sie quer durch Europa und in die USA.

Von ihren insgesamt über 30 CDs , darunter das gesamte Orgelwerk von Buxtehude, hat Helga Schauerte auch zwei CDs mit Orgelmusik an der Oelinghauser Orgel eingespielt, die im heimischen Buchhandel oder beim „Freundeskreis Kloster Oelinghausen“ für 14,50 Euro erhältlich sind.

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