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Neue Skala der Emschergenossenschaft ordnet Starkregen ein

Unwetter und Starkregen überfluteten Anfang Juni 2016 die Unterführung für Busse am Mülheimer Hauptbahnhof.

Foto: Oliver Müller

Unwetter und Starkregen überfluteten Anfang Juni 2016 die Unterführung für Busse am Mülheimer Hauptbahnhof. Foto: Oliver Müller

Mülheim.  Wasserwirtschaftsverbände erstellen Index nach strengen Kriterien. Den bislang einzigen „Jahrhundertregen“ gab es in Mülheim im Juni 2003.

Extremwetterlage in Mülheim Anfang Juni 2016. An diesem Tag fielen in kürzester Zeit rund 80 Liter Regen pro Quadratmeter. Die Feuerwehr und Hilfsdienste waren stundenlang mit 190 Kräften im Stadtgebiet im Einsatz. Besonders die Altstadt war schwer getroffen. Auch der Verkehr stockte an allen Ecken und Enden.

Um solche Ereignisse zukünftig besser einordnen zu können, haben die Wasserwirtschaftsverbände Emschergenossenschaft und Lippeverband eine Skala von extremen Regenereignissen entwickelt. Hierbei wird lokaler Starkregen den Stufen eins (moderat) bis zwölf (extrem) sowie einer farblichen Palette (grün bis violett) zugeordnet. „Anhand der Darstellung können die Bürger einfach nachvollziehen, wie stark der Regen bei extremen Wetterereignissen in der Region war“, so Dr. Emanuel Grün, Technischer Vorstand von Emschergenossenschaft und Lippeverband. Die Fluss-Manager nehmen dabei Regenereignisse seit dem Jahr 2000 in den Blick.

Rang fünf für extremen Starkregen

Geht es nach den Richtwerten der neuen Skala, dann kam es laut den Aufzeichnungen der Wasserwirtschaftsverbände am 8. Juni 2003 in Mülheim zum bislang einzigen „Jahrhundertregen“. An diesem Tag fielen 50,9 Liter pro Quadratmeter innerhalb von 90 Minuten. Auf der zwölfstufigen Skala entspricht das gerade Rang fünf. Wäre die gleiche Menge in beispielsweise drei Stunden herunter gekommen, wäre das nicht mehr der Fall. „Die Niederschlagsmenge und die Niederschlagsdauer sind für den Index sehr wichtig. Denn das Wasser muss ja auch durch die Kanalisation wieder abgeleitet werden“, so Ilias Abawi, Pressesprecher bei Emschergenossenschaft und Lippeverband. „Bei zu viel Regen in kurzer Zeit ist das oftmals ein großes Problem. Straßen und Keller sind in diesen Fällen in kurzer Zeit unter Wasser.“ Dass dieser Fall aber auch bei einem längeren Regenzeitraum eintreten kann, bleibt in der Statistik außen vor.

Nutzwert für Bürger gering

Der Nutzwert der neuen Skala für den einfachen Bürger ist eher gering: So waren beispielsweise die Unwetter im Sommer 2016 und von 2009 nach diesen Kriterien nicht relevant genug und würden außen vor gelassen. Grund: Sie seien – auf Grund der Niederschlagsmenge und der dazugehörigen Dauer – nicht außergewöhnlich genug. „Bei dem Index werden nur Regenereignisse klassifiziert, die seltener als einmal in 100 Jahren auftreten“, so Abawi. Wie lassen dann anhand der Skala die jüngsten Starkregenfälle einordnen? Wohl „nur“ als ein Ereignis, das alle fünf bis zehn Jahre auftritt, keineswegs als Jahrhundertereignis, so der Sprecher Abawi.

Die Stadt, die bislang von dem Starkregenindex nichts gehört hat, ist nach eigenen Angaben gut gegen Überschwemmungen durch Starkregen gewappnet. „Das Kanalnetz weißt keine Probleme auf. Wir sind gut aufgestellt“, berichtet Susanne Schürmann von der Abwasserbeseitigung der Stadt. Doch sie merkt auch an, dass die Auswirkungen starker Regenfälle und Unwetter heutzutage immer schwerer vorhersehbar sind.

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