Bahnhof

Täglich neue brenzlige Situationen

Michael Gerhards, Vorsitzender der GDL Bestwig, warnt vor den Gefahrenstellen im Mescheder Bahnhof. Fotos: Jürgen Kortmann

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Michael Gerhards, Vorsitzender der GDL Bestwig, warnt vor den Gefahrenstellen im Mescheder Bahnhof. Fotos: Jürgen Kortmann Foto: WP

Meschede.   Unter den 120 Lokführern, die auf der Oberen Ruhrtalbahn unterwegs sind, gilt der Mescheder Bahnhof als der gefährlichste. „Es ist ein Wunder, dass hier noch nichts passiert ist“, sagt Michael Gerhards, Vorsitzender der Ortsgruppe Bestwig in der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer.

Unter den 120 Lokführern, die auf der Oberen Ruhrtalbahn unterwegs sind, gilt der Mescheder Bahnhof als der gefährlichste. „Es ist ein Wunder, dass hier noch nichts passiert ist“, sagt Michael Gerhards, Vorsitzender der Ortsgruppe Bestwig in der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer.

Ein Rundgang mit dem Fachmann. Es ist die Summe von drei Brennpunkten, die die Gefahren ausmachen. Zu lang ist die Ortsdurchfahrt. Es fängt unten am „Kaufpark“ an. Dort grenzt nur ein einfacher Gartenzaun die Parkplätze und Gleisanlagen voneinander ab: „Dieser Zaun ist doch nur ein Alibi.“ An einigen Stellen ist der Zaun auseinander gezogen. „Das sind keine Bahnkunden“, meint Gerhards: Das seien Leute aus dem Mescheder Norden, die hier zum Einkaufen von der Ladestraße aus über die Gleise abkürzen und die Lücken nutzen/verursachen – „hier würde nur ein massiver Zaun etwas bewirken“. Wobei: Gerhards hat es an Metallzäunen auch schon erlebt, dass Leute ihre Schraubenschlüssel mitbringen und Teile abmontieren, um sich eine Abkürzung zu schaffen.

Dann im Bahnhof selbst. Viele vermeiden die Unterführung dort und laufen direkt von Bahnsteig 1 über die Gleise hinweg zum Bahnsteig 2. Es ist lebensgefährlich. Denn im Mescheder Bahnhof fahren fast immer zwei Züge relativ zeitgleich ein und aus. „Es war schon oft äußerst knapp hier“, sagt Gerhards. Er unterscheidet: „Junge Leute sind sich der Gefahr nicht bewusst, die sie hier eingehen. Bei den Älteren ist es immer Bequemlichkeit. Gemeinsam ist ihnen: Sie haben kein Unrechtsbewusstsein.“

Manchmal sehen die Lokführer auch einen Polizisten in Uniform am Bahnhof stehen. Natürlich schreckt dessen Gegenwart für den Moment ab: „Aber wenn der weg ist, dann wird wieder über die Gleise gelaufen.“

Gegenüber vom vorderen Wartehäuschen gibt es inzwischen einen richtigen Trampelpfad durch das kleine Wäldchen am Haus Leisse. Hier kürzen Bahnfahrer ab, die zu faul sind, um durch die neugestaltete Fußgängerunterführung zu gehen. Abhilfe, meint Michael Gerhards, würden schon Brombeersträucher schaffen: „Wenn die einmal stehen, dann kommt keiner durch.“

Lokführer sind machtlos

Er warnt ausdrücklich, die Gleise zu betreten: „Sie haben nicht den Hauch einer Chance.“ Hinter dem Wäldchen ist eine nicht einsehbare Kurve, die Züge kommen noch mit über 100 Stundenkilometern an. Die Bahn hat viel investiert, damit ihre Züge leiser werden. Man hört sie kaum noch. Ein Lokführer ist machtlos, wenn jemand über die Gleise geht. Was soll er tun? Hupen kann er vielleicht noch. Bremsen? Der Bremsweg eines Zuges liegt bei 400 bis 600 Metern.

Manchmal denkt Gerhards, man müsste Schockfotos im Bahnhof anbringen, die die Opfer von Unfällen mit der Bahn zeigen. Er weiß aber selbst: Sie wären zu furchtbar.

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