Bauskandal

Verdacht auf Bombenfund unter neugebauten Wohnhäusern

Insgesamt acht Doppelhaushälften und drei Reihenhäuser: Der erste Bauabschnitt des Franz-Schubert-Wohnparks an der neuen Clara-Schumann-Straße könnte über Weltkriegsbomben entstanden sein.

Foto: WAZ-Fotopool

Insgesamt acht Doppelhaushälften und drei Reihenhäuser: Der erste Bauabschnitt des Franz-Schubert-Wohnparks an der neuen Clara-Schumann-Straße könnte über Weltkriegsbomben entstanden sein. Foto: WAZ-Fotopool

Duisburg:   In Duisburg hat ein Bauträger erst das Grundstück auf Bomben unterprüfen lassen, als das Haus bereits stand. Auch informierte er die Käufer erst nach ihrem Einzug. Nun muss der Kampfmittelräumdienst das Grundstück überprüfen.

Unfassbar: Der Bauträger hat das Grundstück erst überprüfen lassen, als die Häuser bereits standen und informierte die Käufer über den Bombenverdacht erst nach dem Einzug. Jetzt muss der Kampfmittelräumdienst ans Werk.

Bombenfunde alles andere als ungewöhnlich

Bombenfunde und Verdachtsfälle sind in Duisburg alles andere ungewöhnlich, dieser aber ist unglaublich. Junge Familien, die sich ihren Traum von den eigenen vier Wänden erfüllet, sich dafür bei Banken hoch verschuldet haben und gerade erst in ihr schmuckes Eigenheim eingezogen sind, müssen kurz darauf schockiert feststellen, dass ihr Haus womöglich auf einer Bombe gebaut wurde. So geht es Familien in Rheinhausen, in einer Neubausiedlung, dem Wohnpark Franz-Schubert-Straße.

Vor den acht großzügigen Doppelhäusern mit der Klinkerfassade stehen neue Mülltonnen, vor einigen noch Baumaterialien und in einem Garten bald wieder der Kampfmittelräumdienst. Auf alten Luftbildern haben die Experten bei der Bezirksregierung in Düsseldorf einen Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt. Die Stelle haben sie beim ersten Ortstermin genau lokalisiert, sie liegt rund einen Meter vom Anfang des Baukörpers entfernt, fast in der Mitte zweier Doppelhaushälften.

Psychische Belastung sei hoch

In einer Hälfte wohnt Vural Özmen, der bei der Frage, wie es sich mit einer Bombe unter dem Keller lebt, erst einmal tief durchatmet. „Als meine Frau davon erfahren hat, ist sie kurz darauf aus dem Haus gerannt. Wir sind danach erst einmal wieder ausgezogen“, erzählt er. Nach Mitte Dezember ist die Familie jetzt zum zweiten Mal in ihr neues Haus eingezogen, der Schlaf fällt schwer. Die psychische Belastung sei hoch, sagt Özmen, ständig beschäftige die Familie Fragen wie: Was passiert bei einer Erschütterung? Wie soll das Ding unter dem Haus wieder weg? „Wir müssen ständig an diese Bombe denken.“

Sondierungsbohrung im Garten 

Noch spricht die Bezirksregierung von einem „Bombenverdachtspunkt“. Doch sollte er sich bestätigen, droht erneute Buddelei im Wohngebiet. „Es ist klar, dass wir den Blindgänger dann bergen und entsorgen müssen“, sagt Sprecherin Stefanie Klockhaus. Doch wie beseitigt man eine Bombe, die unter einem Haus liegt? „Das ist von der Örtlichkeit abhängig. Davon, wo genau und wie tief die Bombe liegt und in welchem Zustand sie ist.“ Man werde sie freilegen müssen, wenn möglich von außen, so Klockhaus.