Im Nordosten

Neue Straße tötet Tiere

Natur- und Tierschützer Heinz Heitland in Aktion: „Das verstehe, wer will.“ Foto: Jochen Linz

Foto: Linz/PiLi

Natur- und Tierschützer Heinz Heitland in Aktion: „Das verstehe, wer will.“ Foto: Jochen Linz Foto: Linz/PiLi

Im Nordosten.  Seit 20 Jahren kümmern sich Naturfreunde ehrenamtlich um den Schutz von Greifvögeln, Amphibien und anderen Tieren im Nordosten. Allein für Turmfalken gibt’s es 20 künstlich angelegte Nistkästen an Strommasten oder in hohen Gebäuden, die Hälfte davon in Wickede und Asseln. Inzwischen reicht die Dortmunder Population bis weit nach Unna, Kamen und Lünen. Der Bau der geplanten Umgehungsstraße L 663n würde die ehrenamtliche Arbeit weitgehend zunichte machen.

Das jedenfalls meint Heinz Heitland, der sich seit Jahrzehnten um Greifvögel und Amphibien im Verein „Arbeitsgemeinschaft Amphibien und Reptilienschutz“ (AGARD) kümmert. Mit Blick auf die Verlängerung der L 663n sagt Heitland: „Die Lust, ehrenamtlich tätig zu sein, tendiert gen Null.“

Das Stück Landesstraße, das Asseln und Wickede umgehen soll, hält Heitland für fatal. „Die aufgebaute Greifvogelpopulation würde mindestens erheblich reduziert - wenn nicht ausgelöscht.“ Viele Vögel würden dabei überfahren, wenn sie totgefahrene Tiere von der Straße holen wollen. „Sie würden ebenfalls den Verkehrstod sterben. Dieses Phänomen ist allgemein bekannt und wurde auf dem Abschnitt zwischen Brackel nach Asseln der L 663n schön häufig beobachtet“, sagt Heitland. Der Freiraum sei für die Futterbeschaffung der Greife „unverzichtbar“.

AGARD-Mitglied Heitland hat nicht nur die Greifvögel im Blick. Auch mehrere tausend Frösche, Kröten und Molche seien gerade im grünen Nordosten beheimatet, habe eine Zählung ergeben. Außerdem zählte die AGARD 2008 21 Laichgewässer vorwiegend im nördlichen Teil des Stadtgebiets. Nicht berücksichtigt die zahlreichen Feuchtbiotope, die im Sommer austrocknen aber häufig besiedelt sind (Bachkolke im Wickeder Holz), Wassergräben in der Feldflur, stau- und sumpfnasse Stellen im und am Wickeder Holz. „Hier handelt es sich um einen besonders sensiblen Bereich, weil die geplante Straße unmittelbar das Naturschutzgebiet berühren würde.“ Wichtig für die Tiere sei aber, dass sie ungefährdet wandern könnten (Erdkröte bis zu 2 000 Meter). Der gesamte Bereich zwischen Südrand Kurl-Husen und Nordrand Asseln-Wickede gehöre zum Lebensraum der Amphibien. Eine Straße durch diesen Bereich in Ost-West-Richtung würden die Populationen „durch Straßentod mindestens erheblich schwächen, ja in bestimmten Bereich wie dem Ostholz fast völlig auslöschen“, so AGARD-Heitland.

Der Naturschützer hält den Straßenbau-Befürwortern einen Anachronismus vor: Jahrelang förderten sie mit Steuergeldern den Greifvogel- und Amphibienschutz; nun wollen sie eine Straße, die alles wieder zunichte macht.

Heitland: „Das verstehe, wer will.“

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