"Jazz war damals Freiheit"

Im Bierhaus war die Gründung, im neuen Bierhaus die Feier. Und doch war es keine Bierlaune, die einige Jazzvernarrte am 15. Dezember 1968 zur Gründung eines Vereins trieb - des "Jazzklub domicil dortmund". Jetzt trafen sich die Mitbegründer.

"Jazz war ein großes Anliegen, eines, das vielen Leuten am Herzen lag", erinnert sich Albert Schimanski (71): Er war der Dritte, der die Vereinssatzung unterschrieb und der Dritte im Vorstandsbunde mit Rainer Glen Buschmann und Werner Panke. "Jazz war damals Freiheit", erinnert sich auch Jimmy Horschler (71) von den Pilspickern. "Dortmund war damals die große Welt." Und auch Panke fand, dass es einen Ort brauche, an dem Musik und Gespräche über das Zeitgeschehen zu Hause sein könnten: "Ich hab´ aber nicht gedacht, dass es wahr werden könnte."

Es wurde. Auch Dank des Einsatzes von Horst W. Stölzig (75), der über das Jugendamt den Kellerraum in der Leopoldstraße ausfindig machte. "Er war der Kreative, der Motor", sagt Wolfgang Körner, ein weiterer Gründungsvater.

So sitzen sie da, das Bier vor sich, und erinnern sich an das "domicil", das sich anfühlte wie ihr "eigenes Wohnzimmer", findet Horschler. Für sie alle war es ein Abenteuer, keiner wusste, wie man so etwas macht - einen Club führen. Schwarz gestrichen, düstere Umgebung, ein Bordell nebenan. "Das hatte schon seinen Charme", sagt Horschler.

"Es hat sich schnell bei den Musikern rumgesprochen", sagt Stölzig. Die Namen kamen, und zwar bald, national und international. Bei der Ersten Allgemeinen Verunsicherung etwa war es so voll, dass man kaum noch atmen konnte.

Über den Umzug in die Innenstadt sind sie froh. Vor allem aber zeigen sich diese Gründungsväter glücklich, dass die Idee, ihre Idee, 40 Jahre nach der Vereinsgründung noch lebt.

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