Wildtiere

Diese Tiere fühlen sich in Dortmund wohl – oder sterben aus

Ein Eisvogel — wunderschön und selten

Foto: Stefan Benfer

Ein Eisvogel — wunderschön und selten Foto: Stefan Benfer

Dortmund.   Füchse am Rathaus, Waschbären im Garten, Goldfische im Phoenixsee: Was kreucht und fleucht in Dortmund? Wir haben Tier-Experten gefragt.

Die Tierwelt ist in Bewegung. Immer. Arten werden zur Plage, andere Arten verschwinden. So ist es auch in Dortmund. Aber welche Tiere fühlen sich in Dortmund besonders wohl? Welche "Neozoen" kommen neu dazu und verdrängen dabei heimische Arten (sie sind also invasiv)? Welche Wildtiere schmiegen sich als Kulturfolger eng an den Menschen und immer näher an die Innenstädte?

Wir haben ein paar Tierarten herausgegriffen und mit Tier-Experten aus Dortmund gesprochen — mit Thomas Quittek (BUND), Guido Bennen (Nabu), Dr. Hans-Georg Otterbein (Naturschutzhaus/Agard), Erika Scheffer (Tierschutzverein) und Erwin Fischer (Stadtförster).

Übrigens: Wer wissen will, wie viele Exemplare einer Vogelart es in Dortmund gibt, kann das im Ornithologischen Jahresbericht 2012 des Nabu Dortmund nachlesen. Hier sind alle Sichtungen bestimmer Vögeln verzeichnet — teils mit einer Hochrechnung auf den gesamten Bestand.

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Eisvogel:

Der Eisvogel (Alcedo atthis) ist einer der schönsten Vögel Deutschlands. Leider ist der "Vogel des Jahres 2009" eher selten. Aber in Dortmund gab es 2012 rund fünf Brutpaare in der Hallerey. Damit steht Dortmund im Gegensatz zu anderen Städten ganz gut da — vor allem, weil das Stadtgebiet vielerorts ländlich geprägt ist und sich die Tiere an naturnahen Gewässern wohl fühlen. Das ist auch eins ihrer Probleme: In strengen Wintern leiden die Eisvögel, weil Gewässer zugefroren sind und sie nicht mehr fischen können. Denn mit Eis und Schnee hat ihr Name eigentlich nichts zu tun, wohl eher mit den althochdeutschen Wort für "schillern".

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Enten:

Ja, ja, Stockenten (Anas platyrhynchos) gibt's in Dortmund genug. Aber darüber hinaus versuchen auch andere Arten, in der Stadt Fuß zu fassen — wie die Mandarinente (Aix galericulata) und die Brautente (Aix sponsa). Beide Arten büxen immer wieder aus dem Zoo oder aus Privat-Volieren aus. In unseren Breiten zu überleben fällt ihnen nicht schwer, da in ihrer Heimat (Asien/Nordamerika) das gleiche Klima herrscht. Dennoch können sie sich in Dortmund nicht halten: In den 90ern gab es im Rombergpark 60 Mandarinenten. Jetzt sind es nur noch zehn. Ein Grund: Beide Arten brauchen Nisthilfen, da sie Höhlenbrüter sind. Nistkästen helfen ebenso wie Sprechthöhlen. Schade eigentlich — denn in ihrer ostasiatischen Heimat geht der Bestand drastisch zurück.

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Eulen:

In der Innenstadt gibt es Eulen eher selten. Aber im ländlichen Dortmunder Norden leben etwa Schleiereulen (Tyto alba) auf Bauernhöfen. Hier gibt's schließlich eine Menge Ratten und Mäuse. Dem Nabu ist nur eine Eule in der Innenstadt gemeldet worden. Sie wurde im Kreuzviertel gehört und gesichtet — wo genau sie lebt ist aber nicht bekannt. Offenbar futtert sie sich an Ratten und Mäusen auf dem Bahndamm entlang der Sonnenstraße satt. Insgesamt gibt es in Dortmund etwa zehn Brutpaare. Die Zahl hat sich damit leicht erhöht.

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Fasane:

Mit Fasanen (Phasianus colchicus) gibt's in Dortmund ein großes Problem: Es gibt kaum noch welche. Wie viele Fasane es noch auf Stadtgebiet gibt weiß der Stadtförster zwar nicht. Er kennt nur die Zahl der von Jägern geschossenen Tiere — und die gibt Aufschluss auf die Gesamtpopulation: 1986 kamen den Jägern 1000 Fasane vor die Flinte. 2012 waren es nur nur 170. Das liegt einerseits am Wetter: In feucht-kalten Frühjahren kühlen die Eier zu stark aus. Die Brut stirbt. Zudem leidet der Fasan an der "Ausräumung" der Landschaft, also an zu wenig Büschen, Hecken, Verstecken. Und noch etwas kommt dazu: Fasan-Küken fressen eiweißreiche Insekten — aber die eliminieren die Landwirte mit massig Pestiziden.

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Fledermäuse:

In NRW leben 21 Fledermaus-Arten — in Dortmund sind stolze 15 davon vertreten. Allein in den vergangenen drei Monaten sind drei "neue" Arten dazugekommen, darunter das Große Mausohr (Myotis myotis), gesichtet in einem alten Stollen in Syburg. Am Phoenix-See sind fünf verschiedene Arten nachgewiesen: In der Hörder Burg wurde zum Beispiel eine Rauhaut (Pipistrellus nathusii) beobachtet. Die Tiere leben in Baumhöhlen und im Dachstuhl alte Häuser. In der Innenstadt haben sie es deshalb wirklich nicht leicht. Obwohl — vielleicht nehmen wir sie einfach nicht wahr? Zwergfledermäuse (Pipistrellus) sind so klein und unscheinbar, dass sie in Mauerritzen Unterschlupf finden. Um welche Art es sich handelt stellen die Fledermausexperten des Nabu übrigens mit Ultraschall-Detektoren fest.

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Füchse:

Füchse (Vulpes vulpes) fühlen sich wohl in Dortmund. Und sie leben nicht nur auf Industriebrachen oder im Wald: Seit den 60ern traut sich Reinecke sogar in die Innenstadt. Es kann also passieren, dass Nachtschwärmer im Stadtgarten plötzlich vor einem Fuchs stehen. Aber keine Angst: Tollwut gibt's in Dortmund seit 1945 nicht mehr. Als typischer Kulturfolger frisst der Fuchs aber nicht nur "Liegengebliebenes", sondern auch Kaninchen — und die gibt's in der Stadt genug. So folgen die schlauen Tiere der Spur ihrer Nahrung, zum Beispiel über Bahndämme bis in die City. Noch ein paar Zahlen aus der Statistik des Stadtförsters: 1986 schossen Dortmunds Jäger 88 Füchse. 2012 waren es fast 500. Dementsprechend hat sich auch der Fuchs-Bestand massiv erhöht.

Goldfische, Hunde, Kanadagänse, Kanarienvögel 

Goldfische:

So unschuldig sie auch wirken mögen: Goldfische tun natürlichen Gewässern nicht gut. Im Phoenix-See zum Beispiel sind die Tiere (und andere Zierfische) zum Problem geworden. Immer wieder werden Zierfische in öffentliche Seen geworfen, obwohl sie dort nicht hingehören. Sie ernähren sich von winzigen Algenfressern und bringen damit die Ökologie durcheinander — denn sie selbst fressen keine Algen. In der Folge vermehren sich die Algen rasant. In Hörde sind derzeit in öffentlichem Auftrag 45 Hechte unterwegs: Die Raubfische jagen die kleinen Goldenen und andere "Friedfische", um das ökologische Gleichgewicht wieder herzustellen.

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Hunde:

Verwilderte Hunde sind in Dortmund keine Thema. Falls doch mal ein Streuner gefunden werden, kommt er ins Tierheim. Die Feuerwehr hat dafür sogar ein spezielles "Tierfänger"-Einsatzfahrzeug — einen Transporter mit Gitterbox, Heizung, Ersthilfe-Set und sonstigen tierischen Einbauten. Die Feuerwehr Dortmund fährt jährlich rund 500 Einsätze zur Tierrettung.

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Kanadagänse:

In den letzten Jahren sind Kanadagänse (Branta canadensis) und Nilgänse mehr und mehr zum Problem geworden — in Dortmund wie andernorts. In großen Scharen lassen sich die großen Gänse auf Wiesen meist an Gewässern nieder. Das größte Ärgernis: Lärm und Dreck. Und das kann andere Tiere gefährden. Halten sich zu viele Gänse an einem Gewässer auf, vermehren sich Bakterien rasant (Botulismus, Stickstoff - wasserhygiene leidet). In der Folge sterben Fische, Enten und andere Vögel an einer Vergiftung. Zuletzt war das im Dortmunder Naturschutzgebiet "Auf dem Brink" das Fall.

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Kanarienvögel:

Hin und wieder entfleucht mal ein Kanari aus einem Käfig und fliegt vom Balkon in den Park. Aber eine Kolonie gibt's in Dortmund nicht.

Kaninchen, Käuze, Katzen, Krebse, Kröten 

Kaninchen:

Zugegeben, es klingt widersinnig: Die starke Vermehrung der Kaninchen ist gleichzeitig ihr Verderben. Denn im Sommer vermehren sich die Tiere massenartig, fluten Grünflächen und Parks, leben eng beieinander — und stecken sich gegenseitig mit Krankheiten an (Myxomatose und Chinaseuche). Im Herbst sterben die Kaninchen in Massen. Und im Frühjahr fängt alles wieder von vorne an... Eine Zahl aus der Jagdstatistik: 1986 schossen Dortmunds Jäger 8000 Kaninchen. 2012 waren es nur 1600 Tiere.

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Käuze:

Erstaunlich: 70 Prozent aller Steinkäuze (Athene noctua), die es in Deutschland gibt, leben in NRW. Klar, dass der Nabu da ein besonderes Auge auf den Bestand hat. In Dortmund gibt es rund 15 Brutpaare. Sie leben auf Höfen und Obstwiese fast ausschließlich im Dortmunder Norden Richtung Münsterland. Aber ohne die Nisthilfen des Nabu gäbe es wohl gar keinen Steinkauz in im Stadtgebiet: Die Tierschützern haben mehrere der einen Meter langen Röhren in Bäumen oder an Scheunen aufgehängt.

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Katzen:

Ein Problem mit Katzen, die sich massig vermehren, gibt es in Dortmund offenbar nicht. Um Streuner kümmert sich der Katzenschutzverein.

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Krebse:

Heimische Edelkrebse (Astacus astacus) gibt's im "Asiatischen Teich" im Westfalenpark kaum noch. Der rote amerikanische Sumpfkrebs (Procambarus clarkii) hat die Regentschaft übernommen — wie auch andernorts in Dortmund. Auch der chinesische Flusskrebs vermehrt sich derzeit stark. Beide gelten als invasive Art. Das Problem: Die neuen Arten schleppen Krankheiten wie die Krebspest ein, an denen der heimische europäische Flusskrebs stirbt, sie selbst aber nicht.

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Kreuzkröte:

In Deutschland steht die Kreuzkröte als bedrohte Tierart auf der Roten Liste. In Dortmund geht's der Kröte aber ganz gut — deshalb gibt die Stadt auch als "Hauptstadt der Kreuzkröte". Ursprünglich waren Flussauen ihre Heimat, aber auch in "Sekundär-Lebensräumen" wie Zechengeländen, Halden und anderen Industriebrachen fühlen sich die Tiere wohl. Und davon gibt's bei uns in Dortmund ja genug. Auf Phoenix West tummelt sich die Kröte zum Beispiel in ihrem neuen Habitat.

Mauersegler, Möwen, Nilgänse, Krähen 

Mauersegler:

Wie Turm- und Wanderfalken gehören auch Mauersegler (Apus apus) zu den Felsenbrütern. Aber die Vögel haben ein großes Problem: Wärmedämmung und geschlossene Dachstühle. Bauherren können den Schwalben aber schon beim Hausbau helfen. Niststeine in der Mauerwand dienen als Nest — Dreck entsteht dabei kaum. Auch in nachträglich angebrachte Dämmung können Nistkästen gesetzt werden. Was viele leider nicht wissen (oder es ignorieren): Nach dem Bundesartenschutzgesetz ist es verboten, die natürlichen Nester von Mauerseglern am Haus zu entfernen.

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Möwen:

Lachmöwe, Sturmmöwe, Steppenmöwe, Silbermöwe, Heringsmöwe — in Dortmund hat sich so manche Möwenart niedergelassen. Vor allem tummeln sich die Tiere natürlich im Hafen. Aber auch am Phoenix-See und in der Hallerey fühlen sich die Vögel wohl. Dort brüten zum Beispiel viele Lachmöwen. Im Winter halten sich die Allesfresser meist rund um die Müllumladung der EDG im Hafen auf. Im Sommer übernachten sie gleich auf den Hafendächern. Was viele nicht wissen: Viele Möwenarten sind Binnenvögel und in Dortmund genauso heimisch wie an der Nordsee. Während die heimischen Lachmöwen (Chroicocephalus ridibundus) gleich zu Hunderten in der Stadt leben, tauchen Küstenbewohner wie Zwergmöwen, Sturmmöwen oder Steppenmöwen eher selten auf.

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Nilgänse:

In den letzten Jahren sind Nilgänse (Alopochen aegyptiacus) und Kanadagänse mehr und mehr zum Problem geworden — in Dortmund wie andernorts. In großen Scharen lassen sich die großen Gänse auf Wiesen meist an Gewässern nieder. Das größte Ärgernis: Lärm und Dreck. Und das kann andere Tiere gefährden. Halten sich zu viele Gänse an einem Gewässer auf, vermehren sich Bakterien rasant (Botulismus). In der Folge sterben Fische, Enten und andere Vögel an einer Vergiftung. Zuletzt war das im Dortmunder Naturschutzgebiet "Auf dem Brink" das Fall.

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Rabenkrähen:

Rabenkrähen (Corvus corone), auch Aaskrähen genannt, sind Opportunisten: Sie folgen dem Menschen und fressen alles, was ihnen vor den Schnabel kommt. Sie sind, stark, sie sind schlau, sie nutzen die Gemeinschaft des Schwarms — sie fallen auf. Dabei gibt es mehr Kleinvögel als Krähen in den Innenstädten. Dennoch ärgern sich viele Dortmunder über die frechen Rabenkrähen. Mit Raben oder Kolkraben (Corvus corax) darf man sie aber nicht verwechseln: Die sind viel größer und erheblich seltener.

Ratten, Rebhühner, Rehe, Rotmilane 

Ratten:

Wenn man ehrlich ist: Ratten (Rattus rattus) lassen sich nicht aus der Stadt verbannen. Die Tiere sind typische Kulturfolger und immer da, wo der Mensch Essensreste produziert. Dennoch darf man das Problem nicht auf die leichte Schulter nehmen: Die Rattenbekämpfung ist und bleibt eine Daueraufgabe. Auch in Dortmund. Die Stadt hat zwar kein dramatisches Rattenproblem, aber Rattenbekämpfung wird trotzdem betrieben. Einmal im Jahr setzt das Dortmunder Tiefbauamt zum großen "Ratten-Töten" an und verteilt massig Köder im Kanal. Hier, auf der unterirdischen "Ratten-Autobahn", halten sich die Tiere besonders gern auf — vor allem unter Straßen mit viel Gastronomie. Da landet oft mal ein Brötchen im Gulli. Im Zuge der Tiefbauamts-Aktion werden jedes Jahr auch Hausbesitzer aufgerufen, sich um Rattendinge zu kümmern. Aufräumen, Gift verteilen, Gewohnheiten ändern. Dazu gehört es nicht nur, Müllbeutel ordentlich zuzubinden und kein Essen ins Klo zu werfen. Auch Gerümpel im Hof zu entfernen hilft manchmal.

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Rebhühner:

Keine schöne Nachricht, die man da im Ornithologischen Jahresbericht 2012 aus Dortmund liest: "Vom Rebhuhn (Perdix perdix) gelang erneut kein einziger Nachweis, die Art ist in Dortmund wahrscheinlich ausgestorben." Jäger setzen zwar immer wieder Tiere aus — aber die Hoffnung, dass sich die Rebhühner neu ansiedeln, hat sich bislang nicht erfüllt. Zu sehr ist ihr Lebensraum in den letzten drei Jahrzehnten eingeschränkt worden. Felder ohne Heckenrand, schwere Landmaschinen — das war das Ende der Rebhühner.

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Rehe:

Rehe (Capreolus capreolus) fühlen sich in Dortmund pudelwohl. Hat die Jägerschaft in den 80ern noch 100 Rehe zur Strecke gebracht, sind es heute 300. Laut Statistik des Stadtförsters kommen davon allerdings nur 150 vor die Flinte — 150 weitere werden schlichtweg überfahren. Rehen geht's in Dortmund auch deshalb gut, weil die Landschaft so strukturreich ist. Große, weite Flächen meidet das Reh nämlich. Die Tiere sind "Buschschlüpfer" und drücken sich an Böschungen oder Hecken entlang. Aber mit wachsender Population werden Rehe zum Problem auf Friedhöfen, in Parks und Gärten: Als "Konzentratselektierer" knabbern die Feinschmecker nicht ganze Büsche ab, sondern nur die Knospen — etwa von Rosen oder Obstbäumen. Übrigens, ihr Stadtkinder: Das Reh ist nicht die Frau vom Hirsch...

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Rotmilan:

Ein Vogel kann einen Sportverein zur Weißglut treiben. So geschehen beim SC Husen-Kurl: Der geplante Kunstrasenplatz an der Kurler Straße wurde nicht genehmigt, weil in der Nähe ein Rotmilan-Pärchen (Milvus milvus) brütete. Das Bundesnaturschutzgesetz machte die Sportplatz-Pläne zunichte. Wo ein Milvus Milvus brütet, darf nicht gebaut werden. Aber was ist an der "Gabelweihe" so schützenswert? Ganz einfach: In Dortmund gibt es neben diesem einen Brutpaar höchstens noch ein zweites. Dabei ist es wichtig, die Tiere nicht von der Stadtgrenze zu vertreiben. Im Ruhrgebiet hat es der Rotmilan nämlich schwer. Zu wenig Freiflächen zum Jagen und ruhige Wälder zum Brüten.

Schlangen, Spatzen, Schildkröten, Sittiche 

Schlangen:

In Dortmund gibt's seit Jahren nur noch eine Schlangenart: die ungiftige Ringelnatter (Natrix natrix). In drei größeren Populationen leben die Tiere im Niederhofer Holz, im Siesack und in Schnee. Lange galt die Ringelnatter in Dortmund als ausgestorben. Aber seit vor zehn Jahren wieder ein Exemplar in Eving entdeckt worden war, haben sich die Tiere wieder gut erholt. Als zweite Schlangenart neben der Ringelnatter kam die giftige Kreuzotter (Vipera berus) vor — aber die ist in Dortmund schon vor Jahrzehnten ausgestorben. Blindschleichen gibt's natürlich. Aber die gehören bekanntlich nicht zu den Schlangen, sondern zu den Eidechsen.

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Spatzen:

Haben Sie's bemerkt? In den Innenstädten gibt's immer weniger Haussperlinge (Passer domesticus. Vor 20 Jahren hüpften noch Horden von Spatzen um Café-Tische herum und pickten Krümel vom Pflaster. Aber heute? In der Stadt sind die Vögel kaum noch zu finden. Sie haben schlichtweg zu wenig Nistmöglichkeiten unter geschützten Überständen oder offenen Dächern. Seit 50 Jahren geht der Bestand in Mitteleuropa stetig zurück. Deshalb steht der Haussperling auf der Vorwarnliste der Roten Liste bedrohter Tierarten. Die Vermehrung der großen Rabenkrähen hat übrigens nichts mit dem Spatz-Rückgang zu tun, versichert der Nabu.

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Schildkröten:

In den Seen fast aller Parks in Dortmund gibt es Schildkröten — ausgesetzt von Bürgern, die die Tiere billig loswerden wollten. Das ist moralisch bedenklich, aber ökologisch okay: Die Tiere richten keinen großen Schaden an. Hier und da sind zwar auch größere Arten dabei, die heimische Arten fressen und so ins Ökosystem eingreifen. Aber Schildkröten vermehren sich kaum. Den deutschen Winter überstehen die Tiere erstaunlicherweise ganz gut, weil sie in Winterstarre fallen. Und keine Angst: Gefährliche Schnappschildkröten wurden in Dortmund bislang nicht gesichtet.

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Sittiche:

In Wiesbaden gibt's eine riesige Kolonie von Halsband-Sittichen (Psittacula krameri). Aber auch hier in Dortmund wurde die Tiere schon gesichtet. Der Ornithologische Jahresbericht 2012 weist zum Beispiel auf eine "Mini-Kolonie" von vier Tieren auf dem Friedhof in Lütgendortmund hin. Auch ein Wellensittich auf dem Sportplatz Deusen wurde gesichtet — der war wohl ausgebüxt.

Störche, Tauben, Turmfalken, Uhus, Käuzchen 

Störche:

Mal eine positive Seite des Klimawandels: Weißstörche (Ciconia ciconia) halten sich durch das wärmere Klima länger in Dortmund auf, bevor sie ins südliche Winterquartier ziehen. In Mengede, Schwieringhausen und am Lanstroper See wurden sie vermehrt gesichtet. Insgesamt waren es 39 Tiere. Der NABU hat in Mengede sogar ein "Storch-Rad" aufgestellt — aber in 2012 blieb erstmals seit Jahren kein Pärchen über Winter in Dortmund. Vorteil der "Sitzenbleiber" wäre: Im Frühling sind sie vor den Winterurlaubern da und belegen die besten Nistplätze.

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Tauben:

Stadttauben (Columba livia) gehören zum Stadtbild. Auch in Dortmund, wo sich die Taubenplage im Vergleich zu anderen Städten in Grenzen hält. Dennoch: Wenn man nicht aufpasst, vermehren sich die Tiere rasant. Bis zu sechs mal im Jahr legt ein Weibchen zwei Eier. Zudem haben sie außer Turmfalken und Mardern keine natürlichen Feinde. Der Tierschutzverein Dortmund versucht, den Bestand mit "Eierklau" niedrig zu halten: Im Taubenturm im Stadtgarten brüten 28 Paare, und die Ehrenamtlichen tauschen rund 150 Eier im Jahr gegen Gipseier aus. Leider ist das aber der einzige Turm. Der Verein sammelt zwar auch an anderen Stellen Eier ein. Aber um wirkungsvoll arbeiten zu können, brauchen die Mitarbeiter größere Ansammlungen von Tieren, die kontrolliert auf einem Fleck brüten. Schon lange sucht der Verein Hausbesitzer in der Innenstadt, die ihre Dachböden als "Taubenturm" zur Verfügung stellen. Aber bislang scheuten alle den Dreck. Der Verein lässt zudem kranke Tauben einschläfern. Auch verletzte Tiere, die sich in Taubennetzen oder "Fensterbrett-Pieksern" verfangen haben, werden eingesammelt. Was den Verein am meisten ärgert: 20 Prozent der Stadttauben tragen Ringe — sie sind also verwilderte Reisetauben. Offenbar waren die Tauben zu jung, um einen zu langen Wettbewerbs-Flug zu überstehen. In der Stadt müssen sie ermattet notlanden.

Außerhalb der Stadt machen Ringeltauben (Columba palumbus) den Landwirten das Leben schwer. Sie picken die frisch ausgeworfene Raps- oder Kohlsaat vom Feld. Seit Jahren werden jährlich bis zu 7000 Ringeltauben geschossen, erklärt der Tierschutzverein. Der Konflikt mit den Tierschützern: Die Tiere werden in der Schonzeit geschossen — die Jäger haben eine Sondergenehmigung wegen des sonst entstehenden wirtschaftlichen Schadens.

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Turmfalken:

Wie Mauersegler und Wanderfalken gehören auch die Turmfalken (Falco tinnunculus) zu den Felsenbrütern. Sie nisten also gern in Höhlen in luftiger Höhe. Auch im Dortmunder U hat letztes Jahr ein Turmfalken-Pärchen gebrütet. Ein Problem bei der Nistplatzsuche: Der perfekte Lebensraum "Kirchturm" ist den Vögeln nach und nach genommen worden. Viele Gemeinden dichten ihre Türme ab, damit sich keine Tauben dort niederlassen, die mit ihrem ätzenden Kot unter anderem die Glocken schädigen. Der Nabu bietet Kirchen an, Nisthöhlen am Turm zu montieren — wie etwa in Lütgendortmund, Eving oder Bövinghausen. In Kirchderne, Brackel und andernorts hängen schon lange Nisthilfen. Insgesamt gibt es in Dortmund rund 40 Brutpaare.

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Uhus:

Uhus (Bubo bubo) gibt es in Dortmund sehr selten — und wenn überhaupt, dann im waldreichen Süden. Aber wenn in Dortmund ein einziges Brutpaar lebt, dann wäre das schon viel, meint der Nabu. Im gesamten Jahr 2012 gab es nur Sichtungen in Berghofen und Buchholz.

Wanderfalken, Waschbären, Wildschweine 

Wanderfalken:

Der Wanderfalke (Falco peregrinus) war in Dortmund fast ausgestorben — jetzt ist er wieder da. Der Grund ist erschreckend einfach: Das Insektizit DDT ist verboten. In den 70ern setzten Landwirte es flächendeckend ein, was beinahe das Aus des Wanderfalken bedeutet hätte. Das Gift macht nämlich die Eier brüchig und gefährdet die Brut. 1974 gab es nur noch 50 Paare in ganz Deutschland. Heute gilt der Wanderfalke nicht mehr als gefährdet. Wie Mauersegler und Turmfalken gehören auch die Wanderfalken zu den Felsenbrütern. Der NABU hat auf hohen, alten Gebäuden Nistkästen aufgestellt, die die Tiere magisch anziehen. Es kann gar nicht hoch genug sein! Auch private Bauherren können den Tieren beim Hausbau helfen: Niststeine oben in der Außenwand dienen als Nest. Dreck entsteht dabei kaum.

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Waschbären:

Eigentlich sind sie doch ganz putzig, oder? Waschbären (Procyon lotor) tummeln sich seit den 80ern auch in NRW und gelten heute schon als heimische Art. Aus Südwestfalen und dem Sauerland ziehen sie gerade weiter Richtung Ruhrgebiet. Auch in Dortmund gibt's schon Waschbären, vor allem im Süden. Seit ein paar Jahren schummeln sie sich immer wieder in Vorgärten und poltern auf Wintergärten herum. Waschbären sind nachtaktiv, wühlen im Müll und fressen fast alle, was ihnen unter die Krallen kommt. Als typische Kulturfolger wissen die possierlichen Tiere: Wo Menschen sind, ist auch Futter. Waschbären werden bei uns übrigens aus "Schupp" genannt.

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Wildschweine:

Wildschweine (Sus scrofa) kommen in Dortmund eigentlich nicht vor. Das liegt an den "natürlichen Grenzen" um die Stadt, erklärt der Stadtförster: Im Süden gibt's sie nur jenseits der Ruhr, im Norden kommen sie nur bis zur Lippe. Oder stehen kurz dahinter am Datteln-Hamm-Kanal mit seinen unüberwindbaren Spundwänden. Im Osten und Westen begrenzen Autobahnen das Stadtgebiet. Und wenn sich doch mal ein Wildschein nach Dortmund verläuft, kommt es tendenziell unter die Räder.

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