Veganer Schmuck

Diese Dortmunder machen Uhren aus Ananas-Blättern

Dortmund.  Julian Stechert (27) und Feramez Durmus (24) stellen vegane Uhren her. Die Armbänder der Schmuckstücke werden aus Ananas-Blättern gefertigt.

Die Uhren von "Lian and Mz" sehen aus, wie moderne Uhren im Moment aussehen. Das Armband ist das, was die Uhren der beiden Dortmunder Julian Stechert (27) und Feramez Durmus (24) von anderen unterscheidet: Denn es fühlt sich zwar an wie Leder, ist aber vegan. Hergestellt aus den Blättern einer Ananas.

Gut eineinhalb Jahre ist es her, dass sich die beiden Dortmunder entschlossen haben, ihr Start-Up zu gründen. Kennengelernt haben sich die beiden während des Studiums an der TU Dortmund. Julian Stechert hat mittlerweile sein Bachelor-Studium als Wirtschaftsingenieur abgeschlossen, Feramez Durmus studiert Wirtschaftswissenschaften. Und sie beide, sagt Feramez Durmus, hätten eine Leidenschaft für Uhren.

"Eine Uhr ist das Accessoire, das jedem Outfit das gewisse Etwas verpasst", sagt Durmus. Eine eigene Uhr auf den Markt zu bringen, das war der große Wunsch der beiden.

Viele Chemikalien

Also informierten sie sich über die Produktion einer Uhr. Was sie störte: Bei der Lederverarbeitung werden viele Chemikalien und vor allem Tonnen von Wasser verwendet. Deshalb haben sich nach einer umweltschonenderen Alternative gesucht - und sind auf Pinatex gestoßen. Das Ananasleder.

Verarbeitet werden dafür die Blätter der Ananas. Nicht die der Frucht, sondern die der Pflanze. Um die Frucht herum wachsen sehr lange und breite Blätter. Bei der Ernte sind sie eigentlich ein Abfallprodukt. Auf den Philippinen (wo ein Großteil der in Europa verzehrten Ananas herkommt) würden die Fasern dieser Blätter aber schon seit vielen Hundert Jahren weiterverarbeitet, erzählt Julian Stechert. Man könne sich das so ähnlich wie Seilflechten vorstellen. "Es sieht aus wie Garn", sagt Stechert.

Ananas-Fasern

Für die Lian-and-Mz-Uhren gehen die verarbeiteten Ananas-Fasern von den Philippinen nach Barcelona. Dort werden sie in einem Pressverfahren und mithilfe von Plylactiden (pflanzlicher Milchsäure) zu einem glatten, naturweißen Material verarbeitet. Das Ananasleder kann dann mit Milchsäure gefärbt werden: Gold, Silber, Braun und Schwarz stehen bei Lian and Mz zur Auswahl.

Eine deutsche Manufaktur stellt aus dem Material die Armbänder her, in einer anderen deutschen Manufaktur entstehen - nach den Designs der beiden Dortmunder - parallel die Gehäuse, mit Saphirglas und Schweizer Uhrwerk. Bislang haben Julian Stechert und Feramez Durmus nur ein paar Prototypen erstellt. Die Produktion soll im März starten, im Juli sollen die Uhren auf den Markt gehen.

Auf Unterstützung angewiesen

Zunächst sind die beiden Gründer auf Unterstützung angewiesen. Sie brauchen Startkapital (bislang haben sie alles aus eigener Tasche gezahlt). Das soll über eine Crowdfunding-Kampagne zusammenkommen: Über eine Plattform kaufen Unterstützer schon jetzt die Uhren zum einen vergünstigten Preis und steuern so ihren Teil zur Finanzierung bei. 25.000 Euro müssten zur Realisierung zusammenkommen, bislang sind es knapp 8400 Euro.


Julian Stechert und Feramez Durmus hoffen, dass die eineinhalb Jahre Arbeit nicht umsonst waren. Sie wollen mit ihrem selbsternannten Ananas-Unternehmen den Uhren-Markt bereichern. Sollte das klappen, dann wollen sie noch mehr Ananas in die Mode bringen. Denn aus Pinatex lässt sich noch viel mehr herstellen: Gürtel und Taschen, sogar Schuhe.

Mehr Infos zu Lian and Mz gibt es hier. Die Crowdfunding-Kampagne läuft noch bis Ende des Monats unter dem Stichwort Lian and Mz.

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