Saalbau Spitz

Boxbude und Komödienstadl

Der Saalbau Spitz in Bochum Stiepel besteht seit 110 Jahren. Foto: Udo Kreikenbohm

Foto: WAZ FotoPool

Der Saalbau Spitz in Bochum Stiepel besteht seit 110 Jahren. Foto: Udo Kreikenbohm Foto: WAZ FotoPool

Stiepel.  Der Saalbau Spitz an der Kemnader Straße besteht seit 110 Jahren. Unzählige Geschichten könnte das Haus erzählen: früher wurde hier geboxt, heute wird Theater gespielt oder Feste gefeiert. Und manch einer ist im Saalbau der Liebe seines Lebens begegnet.

Der Saalbau Spitz feiert einen runden Geburtstag. Er wird 110 Jahre alt. Im Bochumer Süden kennt diesen Saal fast jeder: Viele Bochumer denken an ihre Kindheit zurück, hier gab es Märchenspiele der Volksbühne, Tanzvergnügen, Theaterschwänke, sogar Operetten wurden hier aufgeführt. Und so mancher wird im Saalbau Spitz der Liebe seines Lebens begegnet sein.

In der wechselvollen Geschichte des Saalbaus gab es einige Nutzungen, die heute schon vergessen sein dürften. So diente der Saal vor dem Bau des Lutherhauses der evangelischen Gemeinde zeitweise als Predigtstätte und nach dem Zweiten Weltkrieg vielen Flüchtlingen als erste Unterkunft, wobei mit notdürftig aufgespannten Wolldecken versucht wurde, etwas private Atmosphäre für die Familien zu schaffen.

Als es hier nach den ersten entbehrungsreichen Nachkriegsjahren wieder zu Veranstaltungen kam, erlebte der Saalbau eine Blüte als Boxkampfstätte. Bei Kämpfen des „Boxrings 48“ war der Saal immer gerammelt voll. Auf der Bühne sind heute noch die Einsteckhülsen für die Ringpfosten zu sehen.

Zu erreichen war Haus Spitz damals mit der Straßenbahnlinie 5 und 15, die Bochums Stadtzentrum mit Stiepel-Frische und Hattingen verband. Sie fuhr direkt vor dem Haus vorbei.

Veranstaltungen und Feste

Heute ist das Teilstück der Kemnader Straße weitestgehend verkehrsberuhigt. Damals war sie die einzige Verbindungsstraße nach Hattingen und wurde von vielen Bochumern benutzt, die auf der Henrichshütte arbeiteten.

Der Saalbau ist einer von wenigen Räumen seiner Art in Bochum. Vereine nutzen ihn heute für Versammlungen, Veranstaltungen und Feste. Ohne ihn könnten Vereine wie der Theater- und Karnevalsverein „Preziosa“ keine ihrer stets ausverkauften Prunksitzungen mehr durchführen.

Seit 13 Jahren die Zügel in der Hand

Die Volksbühne Bochum verlöre ihre Spiel- und Probenstätte für 13 bis 18 Aufführungen im Jahr. Schützen, Knappen und Sportvereine müssten ihre Hauptversammlungen und wichtige Informationsveranstaltungen in drangvoller Enge anderer Räumlichkeiten stattfinden lassen. Jubiläumsfeierlichkeiten von Firmen, Familien und anderen Gruppen fänden bei über 100 Gästen nur schwer eine passende Bleibe.

Dass alle Veranstaltungen im angemessenen Ambiente stattfinden, dafür sorgt Gastwirtin Bettina Hoffstiepel. Sie hat seit 13 Jahren im Saalbau Spitz die Zügel in der Hand. Der Saal ist in der Zeit mehrfach renoviert und das Gestühl erneuert worden. Und das Angebot der gutbürgerlichen Küche ist vielfältig.

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