EM medial

ARD bei Twitter-EM top - das DFB-Team flop

Oliver Kahn versucht sich nicht ganz freiwillig auf Twitter und wird dafür harsch kritisiert.

Foto: Screenshot: Twitter

Oliver Kahn versucht sich nicht ganz freiwillig auf Twitter und wird dafür harsch kritisiert. Foto: Screenshot: Twitter

Essen.   Die Europameisterschaft in Polen und der Ukraine ist auch die Social-Media-EM. Nie zuvor wurde ein Turnier so sehr in den sozialen Netzwerken diskutiert, nie zuvor gab es so einen medialen Blick auf Twitter und Co. Hier die Tops und Flops der EM bei Twitter.

Zusammen mit den Kollegen von Spiegel online, Sport1, Goal.com und der Sportbild hat DerWesten die Tops und Flops der Europameisterschaft bei Twitter aufgeschrieben. Wer ist folgenswert, welche Tweets waren gut, was ging gar nicht. Die Gewinner bei dem Fazit sind ganz klar @Spielvrlagerung, @Reporter_vorOrt und @ZDFsportstudio. Schlecht weg kommen das @dfb_team, @OliverKahn und @Becker_Boris.

Francois Duchateau, Chefredakteur von Goal.com (@FDuchagoal)

Sorgt die EURO für einen kleinen Twitter-Boost in der Bundesrepublik? Immerhin ist der moderne Zwitscherfun(k) nun auch beim Zweiten Deutschen Fernsehen und @OliverKahn angekommen.

Für die vernetzte Generation ist das Twittern längst zur flotten Alternative zum oft biederen TV-Kommentar im öffentlich Rechtlichen avanciert. Auch wenn kreative Wortwitze von @HansSarpei, @voegi79 & Co. die Timelines beim Donner von Donezk („Wo bleibt eigentlich die Blitztabelle?“) oder nach der Scholl-Kritik an Gomez („In your face, Mehmet“) beherrschen, so kommen auch Statistikliebhaber und Taktikfreunde digital auf ihre Kosten. Nicht umsonst erfreuen sich die Dienste von @Spielvrlagerung, @OptaFranz oder @InfostradaLive wachsender Beliebtheit.

Vor allem das Treiben der Kommentatoren wird rege kommentiert. Das größte Lob bekam Tom Bartels beispielsweise fürs „Klappehalten“ während der irischen Fangesänge gegen Spanien. Dass man bei der ARD jedoch auch weiß, Twitter perfekt einzusetzen, zeigt der Account von @Reporter_vorOrt Marcus Bark, der schon seit der Vorbereitung seinem Alias alle Ehre macht und den schnellsten Infoservice rund um das @dfb_team bietet. Ein gutes Beispiel für modernen Journalismus, der in anderen Ländern längst etabliert ist.

Für den DFB kam die EM zu früh

David Nienhaus, Redakteur DerWestenSport (@ruhrpoet)

Was eine Wurst! Ähnlich wie Oliver Kahns schauspielerisches Talent in der Hörfunk- und Fernseh-Werbung für einen Grillwürstchenhersteller ist sein Begabung im Bereich Social Media. Im wahrsten Sinne des Wortes war nicht nur seine Anmeldung bei Twitter erzwungen - von der charmanten Webexpertin Jeannine Michaelsen und der wie Kahn völlig netz-überforderten Karin Müller-Hohenstein - auch sein ersten... "äh-wie-heißt-es-noch-gleich"-Tweets verdeutlichen, dass die ZDF-Moderatoren das Thema "soziale Netze" wenig ernst nehmen. Schade, denn eigentlich gibt es beim Zweiten durchaus Journalisten, die die Wichtigkeit der Kommunikation im Web verstanden haben - das sieht man an den Tweets vom Aktuellen Sportstudio.

Statt Kahn dann lieber so wie die Kollegen der ARD: Das Erste baut weder Tweets noch Facebook-Stimmen in sein TV-Programm, ein, bedient aber via Twitter interessant und informativ mit dem extra angelegten Account @sportschau_em12 und dem guten @Reporter_vorOrt seine Follower.

Eine Flut von Tweets gibt es übrigens bei den täglichen Pressekonferenzen der deutschen Nationalmannschaft. Sowohl die Sportschau, als auch die Kollegen von @SPORT1, @spox und @SPORTBILD tickern von den DFB-PKs. Definitiv ein Überangebot. Da lob ich mir doch lieber die treffenden und lesenswerten Tweets von @Toedlicher_Pass, @voegi79, @Sportkultur und @stadioncheck, die sich wortgewandt und witzig durch die EM twittern.

Die Anhänger aus dem Fußball-Westen der Republik werden übrigens prima von @DerWestenSport (ein bisschen Werbung in eigener Sache) und @Matthias_aus_Do informiert. Die beiden Accounts geben einen Überblick, wie es um die Nationalspieler der West-Klubs bestelllt ist.

Schade übrigens, dass wohl für das @dfb_team diese Euro zu früh kam. Zwar deuteten die Macher hinter dem offiziellen Account der Nationalmannschaft vor dem Turnier an, dass sie verstanden haben, wie soziale Medien funktionieren - nämlich in beide Richtungen - aber während der Tage in Polen und er Ukraine ist die Kommunikation und Einbindung der Follower gleich null. So wie die Anzahl der Tweets der deutschen Nationalspieler. Dass sich Jogis Jungs allerdings auf den Ball konzentrieren, nimmt den Kickern im sozialen Netz wohl keiner krumm - der Titel ist das Ziel, nicht die Tweets.

Rafael Buschmann, Redakteur von Spiegel online (@Rafanelli)

Mein absolutes Highlight: Die Regenschlacht von Donezk. Twitter hat mit Humor und einer wahren Wortwitzkanonade gezeigt, wie lustig Duschen sein kann. Allen voran: Ayla Mayer (@santapauli1980), die Wortakrobatin.

Ansonsten bin ich begeistert von @Spielvrlagerung, die sehr präzise taktische Analysen zu den einzelnen Matches liefern. Wer sich für alles rund um das DFB-Team interessiert, ist hingegen bei Marcus Bark alias @Reporter_vorOrt bestens aufgehoben.

Grundsätzlich ist es schon aufregend zu beobachten, dass Public Viewing und Twittern mittlerweile wie siamesische Zwillinge miteinander verbunden sind.

Boris Becker mit Twitter-Entgleisungen während der EM 

Zusammen mit den Kollegen von Spiegel online, Sport1, Goal.com und der Sportbild hat DerWesten die Tops und Flops der Europameisterschaft bei Twitter aufgeschrieben. Wer ist folgenswert, welche Tweets waren gut, was ging gar nicht.

Christian Kleber, Pauschalist DerWestenSport (@SportNewsKleber)

Eine echte Twitter-Entdeckung dieser EM sind die Taktikfreunde von @Spielvrlagerung. Zu jedem Spiel bietet @Spielvrlagerung eine ausführliche Taktikanalyse an - eine erfreuliche Abwechslung im eintönigen Spielberichts-Wirrwarr dieser Tage. Zu allen Deutschland-Spielen twittert @Spielvrlagerung darüber hinaus sogar eine Taktik-Vorschau mit allen wichtigen Infos zu den jeweiligen Spielsystemen. Zugegeben: Zum Teil verlieren sich die Analysen in kleinsten Details, doch wer sich für die taktische Einstellung der Mannschaften interessiert, ist hier bestens aufgehoben.

Dagegen sorgten die Twitter-Entgleisungen von Tennis-Legende Boris Becker mitunter für echte Bauchschmerzen. Was sollen uns diese Liebes-Tweets an Mehmet Scholl bitte sagen? Beispiele gefällig? Erstens: "Scholli sieht gut heute Abend aus." Zweitens: "Habe leider kein deutsches Fernsehen, wie ist Scholli angezogen? Drittens: "Scholli ist 1Traumtyp aber bitte OHNE Pulli." Wenn @Becker_Boris da nicht mal wieder sein Herz an jemanden verloren hat. Kurz gesagt: absoluter Nonsens.

Eine echte Empfehlung sind dagegen die sensationellen Tweets des ungekrönten Twitter-Königs: Hans Sarpei. Auch während der EM sorgt @HansSarpei wieder einmal für herrlichen Lachmuskelkater. "Wenn Boateng morgen wieder auflaufen muss, kann ich mich ja eigentlich mit Gina-Lisa treffen", meinte Sarpei in Anspielung an die angebliche Affäre des Nationalverteidigers mit der TV-Diva. Klar: Auch diese Infos braucht in Wirklichkeit niemand. Aber immerhin hat der Noch-Schalker einen feinen Sinn für Humor. Wie er etwa auch nach dem Sieg der Deutschen gegen Holland unter Beweis stellte. Sein Tweet: "Heute besuchte die holländische Elf ein Kinderheim in der Ukraine. Es war traurig, diese hoffungslosen Gesichter zu sehen, sagte Andrej (6)."

Eindrucksvoller Mehrwert bei der Euro 2012

David Riedel, Redakteur Sportbild (@riedel_david)

Die EM 2012 hat schon jetzt eindrucksvoll den Mehrwert der sozialen Netzwerke (vor allem Twitter) für Sportbegeisterte verdeutlicht. Einmalige Einblicke von Spielern wie Cesc Fabregas oder Wayne Rooney. Und dazu Meinungen und Vor-Ort-Berichte von Fans und Journalisten. Mein Appell: Twitter nutzen!

Andreas Ernst, Redakteur DerWestenSport (@AndiErnst)

Es regnet. Verdammt noch mal: Es regnet. Und dieses blöde EM-Spiel zwischen Ukraine und Frankreich muss unterbrochen werden. Wird es fortgesetzt? Und vor allem wann? Beginnt das zweite Spiel später? Dauert der Spätdienst länger? Schlechte Laune in der Redaktion. Bis wir unsere Twitter-Timeline erblicken.

Die eröffnet @TRG_76: „Uefa verhängt drastische Geldstrafe gegen den Vatikan, weil Petrus während des Spiels Pyrotechnik gezündet hat.“ Die Kollegen von @spox sitzen anscheinend mit nem Kasten Bier vor dem Rechner: „Unsere größte Sorge: Dass Elton gleich vom Zehner einen Salto probiert.“ @dogfood probiert’s noch mal mit Petrus: „Petrus put the rain in Ukraine.” Wieder legt @spox nach: „…und dann kommt am Ende raus, dass das Gewitter schon drei Stunden vor Anpfiff stattgefunden und von der UEFA reingeschnitten wurde.“ Die korrekte Frage stellt @Zaister: „Wo bleibt eigentlich die Blitztabelle?“. Noch einmal @spox: „Und? Wie ist das Spiel?" "Ach, plätschert so vor sich hin…“

Als das Spiel nach knapp einer Stunde wieder angepfiffen wird, sind wir auch nass. Vor Lachen.

Negative Stimmung gegen ARD und ZDF bei Twitter während der EM

Max Bernhard, Redakteur Sport1 (@maxbernhard)

Schlecht finde ich das allgemeine Kommentatoren-Bashing und die negative Stimmung, die gegen die Sender gemacht wird. Dabei bemühen sich ARD und ZDF, eine tolle Stimmung rüberzubringen.

Positiv ist für mich der kollektive Jubel, der auch durchs Netz geht, wenn Deutschland ein Tor schießt. Man kann das auch auf Twitter förmlich greifen. Und mein Tipp für die absoluten Twitterer ist @einaugenschmaus. Sie liest bei Spielen von den Lippen der Spielern und Trainern ab. Sehr cool.

Das Sportstudio rettet den Ruf des ZDF 

Zusammen mit den Kollegen von Spiegel online, Sport1, Goal.com und der Sportbild hat DerWesten die Tops und Flops der Europameisterschaft bei Twitter aufgeschrieben. Wer ist folgenswert, welche Tweets waren gut, was ging gar nicht.

Sebastian Weßling, Pauschalist DerWestenSport (@fluestertweets)

Beim DFB versucht man dieser Tage, sich nicht nur auf dem Spielfeld modern zu geben. Und, soviel wissen die Öffentlichkeitsarbeiter der Nationalmannschaft, ein Twitter-Kanal gehört dabei zum guten Ton. Allerdings nutzt der DFB @dfb_team eher nicht zur Kommunikation. „EURO 2012: Löw: "Wir haben erst ein Etappenziel erreicht": Erstmals hat eine deutsche Nationalmannschaft bei ein... http://bit.ly/NEVRhC“, so liest sich ein typischer Tweet.

Fragen der Follower werden ignoriert, falls sie überhaupt jemand wahrnimmt. Offensichtlich hat ein DFB-Techniker dafür gesorgt, dass neue Artikel auf der Homepage des DFB-Teams auch gleich getweetet werden. Dafür aber braucht man kein Twitter, ein RSS-Feed würde reichen.

Wie man es besser macht, zeigt ausgerechnet das in diesen Tagen viel gescholtene ZDF. Unter @ZDFsportstudio wird ein für eine öffentlich-rechtliche Sendeanstalt erstaunlich flapsige Kommunikation mit den Followern gepflegt. Zum Podolski Tor etwa zwitscherten die Mainzer: „Jetzt mal richtig ;-) Darauf ein 100faches Kölle Alaaf!!!“.

Zuvor hatte man sich sogar eine muntere Diskussion mit den Followern, nachdem folgender Tweet für reichlich Antworten sorgte: „Eine Bitte an die @dfb_team-Fans: gute Unterstützung braucht diese Sieg-Rufe nicht und nie!“ Die ZDFler reagieren also auf Kritik, beantworten Fragen und sind sich auch nicht zu schade, Meldungen und Texte anderer Medienhäuser zu retweeten.

Max-Jacob Ost, Redakteur SPOX (@spox, @gnetzer)

Turniere trennen die Spreu vom Weizen, auch bei Twitter. Auch während dieser Europameisterschaft gab es ein paar Accounts, die man während der Spiele nicht missen wollte. Allen voran professionelle Spielbeobachter wie @JanAageFjortoft, @honigstein und @dogfood. Ergänzt durch das bei Twitter vertretene Who-is-who der Fußballblogszene (@hirngabel@brustring @probek @RC_KH @trainerbaade @voegi79 - um nur einige zu nennen) gab es so keinen einzigen langweiligen Moment bei dieser Europameisterschaft.

Erfreulich auch die Tweets und Retweets der Accounts der Öffentlich-Rechtlichen, die bereits genannt wurden. Nur über die Twitter-Leistung von @OliverKahn wollen wir lieber den Mantel des Schweigens legen – er ist ja auch noch nicht so lange dabei. Neben all diesen ist jetzt auch Mario Balotelli (@Balo_Mario45) bei Twitter vertreten und ergänzt damit die lange Liste von Fußballprofis, denen man unbedingt folgen sollte. (https://twitter.com/#!/spox/fu%C3%9Fballprofis) Ob er zu Spreu oder zu Weizen gehört, wird sich ja vielleicht im Verlauf der K.O.-Runde noch klären.

Auch Statistiken zur EM gibt es bei Twitter

Aber es braucht nicht zwingend eine ganze Sendeanstalt im Rücken, um ein Turnier über Twitter unterhaltsam und kompetent zu begleiten. Unter @Zonal_Marking twittert Michael Cox, der auch die gleichnamige Website betreut.

Wer sich für Taktik interessiert und Englisch versteht kommt an Cox nicht vorbei: Fachkundig liefert er schon während der Spiele interessante Einblick in die taktischen Aspekte der Partien. „van der Vaart being very van der Vaart. Scores great goal, but his inclusion making Holland ridiculously open” (Van der Vaart ist und bleibt van der Vaart. Schießt tolles Tor, aber seine Aufstellung mach Holland auf lächerliche Weise anfällig), twitterte er zum Spiel der Niederländer gegen die Portugiesen. Mit derlei Tweets hat er es auf über 70.000 Follower gebracht, etwa zehn Mal so viele, wie @ZDFsportstudio hat.

Wen Statistiken dieser und anderer Art interessieren, der ist bei @OptaFranz richtig aufgehoben. „Mats Hummels gewann 87.5% seiner Zweikämpfe bei der EURO 2012 – Topwert im Turnier nach Portugals Pepe (91.3%). Hüne.“, erfährt man dort. Das dürfte sogar @dfb_team interessieren – wenn sie es denn lesen würden.

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