Schlecker-Aus

Bei Schlecker-Frauen herrscht Hoffnungslosigkeit nach dem Aus

Viele Mitarbeiterinnen reagierten geschockt auf die Nachricht, dass kein Investor für Schlecker gefunden werden konnte.

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Viele Mitarbeiterinnen reagierten geschockt auf die Nachricht, dass kein Investor für Schlecker gefunden werden konnte. Foto: WAZ FotoPool

Dortmund/Hagen.   Bis zuletzt hatten viele Schlecker-Frauen auf die Rettung ihres Arbeitgebers gehofft. Vergeblich. Im Raum Dortmund sowie in Südwestfalen verlieren hunderte ihre Arbeit. „Jetzt bin ich zum ersten Mal in meinem Leben arbeitslos“, sagt eine Betriebsrätin aus Dortmund.

Die zierliche Frau im weißen Kittel an der Kasse einer Schlecker-Filiale lässt fassungslos ihr Handy sinken. Gerade hat ihr Mann angerufen und berichtet, was er soeben in den Fernsehnachrichten sehen konnte: Das Ende von Schlecker ist besiegelt. Die Drogeriemarktkette wird zerschlagen. 13.500 Mitarbeiterinnen verlieren ihren Job.

Sie schüttelt den Kopf, sortiert ihre Gedanken. „Im März bin ich noch gerettet worden. Jetzt ist endgültig Schluss.“ Weil sie sich eigentlich nicht zu den Geschehnissen äußern darf – Anweisung von oben – will sie anonym bleiben. Bis der Anruf kam, habe sie noch gehofft, alles werde gut. Aufgeben, das ist nichts für die Schlecker-Frauen, sagt sie trotzig. Schon Monate zuvor hatte sie mit ansehen müssen, wie engagierte Kolleginnen arbeitslos wurden. Jetzt trifft es auch die einst Geretteten.

„Wut, Trauer, Enttäuschung“ – so beschreibt Schlecker-Betriebsrätin Gabriele Wittig, was in ihr vorgeht. „Die Politik hat uns mit ihrem Nein zur Transfergesellschaft einfach im Stich gelassen.“ Dieser Option beraubt, hätten sich über 4000 Kolleginnen für Kündigungsschutzklagen entschieden. Diese wiederum hätten nun die Investoren abgeschreckt, erläutert Wittig ihre Sicht der Dinge.

Arbeitslos nach 30 Jahren bei Schlecker

„Ich war noch nie in meinen Leben arbeitslos“, sagt sie und ihre Stimme zittert dabei. 30 Jahre lang hat sie für die Drogeriemarktkette gearbeitet. Ihre Zukunftsängste kann auch nicht die Nachricht mildern, dass Rossmann und dm planen, Mitarbeiter zu übernehmen. Schließlich sei man auch bei der ersten Kündigungswelle nicht überall mit offenen Armen empfangen worden.

Von Fassungslosigkeit in der Belegschaft berichtet auch Monika Grothe und von Tränen der Enttäuschung. Die Gewerkschaftssekretärin von Verdi Südwestfalen sprach mit Betriebsrätinnen, deren Stimme versagte, als sie schilderten, wie der Insolvenzverwalter das Aus verkündete. „Die stehen alle absolut unter Schock.“

Arbeitsagentur ist vorbereitet

Knapp 300 Mitarbeiterinnen trifft es in Südwestfalen. Mit rund 100 neuen Betroffenen in Dortmund, Unna, Lünen und Schwerte rechnet die Arbeitsagentur Dortmund. Deren Leiterin Astrid Neese fühlt mit: Nach langem Bangen um den Arbeitsplatz, sei dies nun eine schlimme Nachricht für die Mitarbeiterinnen. Man habe sich aber vorbereitet: „Wir stehen ab Montag bereit, um Arbeitslosmeldungen entgegen zu nehmen und Fragen zu beantworten“, kündigt sie an. Nach Schließung der ersten Filialen haben von den seinerzeit 170 betroffenen Angestellten etwa 25 bislang neue Arbeit gefunden.

Entsprechend skeptisch ist auch die Gewerkschafterin Grothe. Die Arbeitsagentur spreche gerne davon, dass es genug Optionen gebe. Aber: „Was sind denn das für Jobs, die den Kolleginnen jetzt angeboten werden?“ Viele Stellen im Einzelhandel seien mit 7,50 Euro schlechter bezahlt als damals bei Schlecker, häufig würden nur Teilzeitjobs vermittelt. „Damit kann eine Alleinerziehende ihre Familie nicht ernähren. Ist doch klar, dass die nun in ein tiefes Loch fallen.“

Zeichen der nun doch gestorbenen Hoffnung

Im Fenster einer Dortmunder Filiale hängt – Minuten nach der Entscheidung – noch ein deutliches Zeichen der nun doch gestorbenen Hoffnung: Mit einem Plakat richten sich die Mitarbeiterinnen an ihre Kunden, werben für das Geschäft, in dem sie nicht selten jahrzehntelang Deos, Haarfärbemittel und Seifen in die Regale geräumt, mit Kunden geplaudert und Ware verkauft haben. Schlecker stehe für Kundennähe und faire Tarifverträge. „Diesen Weg wollen wir weiter gehen“ – heißt es auf dem Plakat.

Seit heute ist klar, er endet, der Weg der 13.500 Schlecker-Frauen.

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