Aufsichtsräte

Manager in Kommunen - die Kassierer im Revier

Guntram Pehlke, Bernd Wilmert und Hermann Janning sind die Prototypen einer Managerriege mit Parteibuch im Revier.

Guntram Pehlke, Bernd Wilmert und Hermann Janning sind die Prototypen einer Managerriege mit Parteibuch im Revier.

Essen.   Die Großverdiener im Revier sitzen nicht in den Rathäusern. Das meiste Geld trägt die Managerriege mit Parteibuch nach Hause. Wie man in städtischen Betrieben und Aufsichtsräten kräftig absahnt und das mit aller Macht geheim hält.

Guntram Pehlke war einst Schatzmeister der SPD im Unterbezirk Dortmund, heute ist er Vorstandsvorsitzender der Dortmunder Stadtwerke DSW21. Auf sein Konto fließen im Jahr inklusive aller Verdienste als Vorstandsvorsitzender der DSW21 und als Multimitglied in Aufsichtsräten: geschätzte 500.000 Euro. Die genaue Zahl ist nur schwer herauszubekommen, auf Anfrage teilen Pehlke und die Stadt Dortmund keine Gesamtzahl von Pehlkes Einnahmen mit.

Der Bochumer Stadtwerke-Chef Bernd Wilmert ist weit vernetzt in der Ruhr-SPD – unter anderem saß er von 1984 bis 1990 im Rat der Stadt Herten. 1992 wurde er kaufmännischer Geschäftsführer der Stadtwerke. Sein Gehalt? Bleibt auch auf Anfrage geheim.

Prototypen einer Managerriege mit Parteibuch

Hermann Janning von der CDU brachte es im Vorstand der Duisburger Stadtwerke inklusive Pensionsbezügen auf knapp 700 000 Euro im Jahr. Seine sonstigen Zulagen über diverse Aufsichtsräte bleiben auf Anfrage geheim.

Pehlke, Wilmert und Janning sind die Prototypen einer Managerriege mit Parteibuch im Revier. Als Kommunalbeschäftigte verdienen sie deutlich mehr als die Kanzlerin. Angela Merkel bekommt rund 220 000 Euro im Jahr, Ministerpräsidentin Hannelore Kraft knapp 185 000 Euro. Und die Oberbürgermeister, die formalen Chefs der Stadtwerke-Bosse, gehen mit rund 130 000 Euro im Jahr nach Hause.

Mehr als das Dreifache eines Bürgermeisters, die Bezüge der kommunalen Spitzenverdiener sind happig. Doch nicht nur diese Verdienste verbinden die Häupter der Kommunalbetriebe. Ihnen gemein ist auch das Stillschweigen über ihre genauen Bezüge. Ihre gesammelten Verdienste aus den verschiedenen Aufsichtsräten teilen sie auf Anfrage nicht mit.

Nur mit Top-Gehältern bekommen Konzerne Top-Führungskräfte 

So wird nur wenig bekannt. Etwa wie viel Geld der gesamte Steag-Aufsichtrat bekommen hat: 400.000 Euro. Pehlke, Wilmert und Janning teilen auf Anfrage nicht mit, wie viel sie bekommen haben. Nur über Steag kommt man weiter: Dem Verteilungschlüssel zufolge erhalten Wilmert und Pehlke angeblich gut 18.000 Euro im Jahr, Janning das doppelte.

Das Standardargument: Nur mit Top-Gehältern bekommen Konzerne Top-Führungskräfte. Doch viele Chefs städtischer Betriebe im Ruhrgebiet haben keine herausragende berufliche Qualifikation für ihren Posten, stattdessen verdienten sie sich ihre Meriten in der Verwaltung, waren Mitglieder im Rat und lange für SPD und CDU aktiv.

Wie sich die Parteien gegenseitig unterstützen

Guntram Pehlke studierte zwar Wirtschaftswissenschaften, Erfahrungen sammelte er aber vor allem als Kämmerer von Salzgitter und später von Dortmund, wo er auch Schatzmeister der örtlichen SPD war. In der freien Wirtschaft kannte sich Pehlke bis zur Kür zum Stadtwerke-Boss kaum aus. Am 1. Oktober 2006 trat er trotzdem an und vervierfachte sein Gehalt.

„Ein verzweigtes Energieunternehmen zu führen, ist etwas anderes, als kommunale Haushaltspläne aufzustellen”, sagt Mario Krüger, Landtagsabgeordneter der Grünen in Dortmund. Krüger sitzt selbst in Aufsichtsräten, seit 1994 ist er Ratsmitglied. „Die Besetzung der lukrativen Posten wird im Machtzirkel der SPD entschieden, die CDU wird fürs Entgegenkommen mit anderen Stellen belohnt.”

Den Bochumer Stadtwerke-Chef Bernd Wilmert verbindet mit Pehlke mehr als der gut dotierte Aufsichtsratsposten bei der Steag. Beide SPD-Männer sitzen auch bei der Gelsenwasser AG im Aufseher-Gremium. Pehlkes Verdienst als Vorsitzender: rund 56 000 Euro. Wilmert bekommt als einfaches Mitglied immerhin 28 000 Euro im Jahr. Wie viel Geld die Männer insgesamt in den anderen kommunalen Aufsichtsräten bekommen, die sie besetzen, halten die kommunalen Unternehmen geheim. Auf Anfrage äußerten sich weder die Stadtwerke Dortmund noch die Kommunalbetriebe Bochum.

Gute Entlohnung nicht nur für SPD-Männer

Allerdings ist gute Entlohnung kein Privileg von Männern mit SPD-Parteibuch. In Duisburg kam Hermann Janning vor sechs Jahren von den Stadtwerken Wuppertal zu den von CDU-OB Adolf Sauerland beaufsichtigten Stadtwerken. Janning hat ein CDU-Parteibuch, er vertritt die Konservativen in der Verbandsversammlung des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr. Und auch er hatte einen Nebenverdienst im Aufsichtsrat der Steag, sogar als Vorsitzender. Weitere Aufsichtsratsmandate kamen dazu.

Der 62-Jährige hat seinen Job nun allerdings verloren, obwohl sein Vertrag im Frühjahr bis 2016 verlängert worden war. Ein Misstrauensvotum aus dem Betrieb soll der Grund sein, heißt es. Erstaunlich ist das nicht: Der Aufsichtsrat wird heute vom neuen Duisburger OB Sören Link geführt. Ein SPD-Mann, der den Janning-Job neu vergab. Jannings Ablösung dürfte die verschuldete Stadt Duisburg mindestens zwei Millionen Euro kosten. Für ihn rückt Dortmunds Pehlke an die Spitze des Steag-Aufsichtsrates.

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