Politik

Kölner Parteitag wird Klarheit bringen

Frauke Petry verzichtet auf die Spitzenkandidatur. Es ist der Ausdruck der fortschreitenden Zerrüttung der Alternative für Deutschland.

Manche sprachen gestern von einem Paukenschlag, andere zumindest von einer Überraschung, und dann waren da auch diejenigen, die von einem schon lange erwartbaren Schritt Frauke Petrys sprachen. Doch der Verzicht der obersten Rechtspopulistin auf eine Spitzenkandidatur im Bundestagswahlkampf ist vor allem eines: der Ausdruck der fortschreitenden Zerrüttung einer Alternative für Deutschland, die sich noch vor wenigen Wochen und Monaten anschickte, den etablierten Parteien im Lande nachhaltig das Fürchten zu lehren.

Frauke Petry selbst begründete den Schritt damit, die Partei wieder auf einen Kurs bringen zu wollen, der Sachfragen in den Mittelpunkt stellt, statt von angestrengten Personaldebatten geprägt zu sein. Die Parteivorsitzende fürchtet um den lange sicher scheinenden Erfolg bei der Wahl im September, und ihre Sicht wird ja durchaus bestätigt durch rapide bröckelnde Umfragewerte, die einst bei stolzen 30 Prozent lagen und jetzt gerade noch knapp zweistellig sind. Doch die Vorsitzende ist ein wesentlicher Teil des Problems, das die AfD mittlerweile als schwere Bürde zu tragen hat. Die Führung der Rechtspopulisten zieht nicht an einem Strang. Und die in der Parteispitze umstrittene Frauke Petry war außerstande, die Fliehkräfte zu stoppen und zumindest in der Außendarstellung Einigkeit zu schaffen.

Am Wochenende nun steht der Wahlparteitag der Rechtspopulisten in Köln an. Es wird hoch hergehen. Frauke Petry wird sich den Vorwurf anhören müssen, der Partei in einer solch wichtigen Phase einen Bärendienst erwiesen zu haben. Gut möglich ist auch, dass sie den Machtkampf mit ihren ultra-nationalistischen Widersachern verliert. Der AfD ginge in diesem Fall ihr von Petry und Co. so mühsam gepflegtes Antlitz einer rechtskonservativen Bürgerpartei verlustig. Und für Wähler, die der AfD bislang nahe stehen, könnte Köln Anlass sein, ihr Verhältnis zu der Partei noch einmal zu überdenken.

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