Linke

Kipping will Linke mit "neuer Kultur" verändern

Die neue Linke-Vorsitzende Katja Kipping diskutiert mit Ex-Parteichef Oskar Lafontaine.

Foto: Reuters

Die neue Linke-Vorsitzende Katja Kipping diskutiert mit Ex-Parteichef Oskar Lafontaine. Foto: Reuters

Berlin.  Die neue Linke-Vorsitzende Katja Kipping fordert für ihre Partei eine "Kultur der Offenheit" und die "Kunst des Zuhörens". Mit Blick auf die Spitzenkandidatur für die Bundestagswahl 2013 hofft sie auf eine "wichtige Rolle" von Ex-Parteichef Oskar Lafontaine, dem Bundestagsfraktionsvorsitzenden Gregor Gysi und Parteivize Sahra Wagenknecht.

Mit Kunst und Kultur zur Versöhnung: Die neue Linke-Vorsitzende Katja Kipping will die Umgangsformen in ihrer zerstrittenen Partei zivilisieren. Nötig seien eine "Kultur der Offenheit" und die "Kunst des Zuhörens" verkündete Kipping am Montag per Zeitungsinterview. Der neue Bundesgeschäftsführer Matthias Höhn forderte mehr Achtung im Umgang. Zugleich begann eine Diskussion um die Spitzenkandidatur für die nächste Bundestagswahl.

Kipping sagte der "Leipziger Volkszeitung": "Der Schlüssel zum Erfolg ist für uns eine Kultur der Offenheit und ein Gestus: Fragend schreiten wir voran." Die neue Parteiführung wolle mit einer Vorstellungstour durch alle Landesverbände und der "Kunst des Zuhörens" um Vertrauen werben. Sie wolle zudem im Internet einen Blog für Vorschläge von Mitgliedern und Sympathisanten einrichten.

Kipping forderte, die Linke müsse Lobbyistin der Leiharbeiterinnen, der bei der insolventen Drogeriemarktkette Schlecker angestellten Frauen, der Solo-Selbständigen am Laptop und der Erwerbslosen sein, die auf dem Ämtern gedemütigt würden. Die Partei müsse sich zudem für Angestellte einsetzen, die in der gleichen Arbeitszeit immer mehr leisten müssten.

Kipping hofft auf Lafontaine, Gysi und Wagenknecht

Der neue Bundesgeschäftsführer Höhn sagte, er sehe die Partei zwar in einer Vertrauenskrise, aber nicht von der Spaltung bedroht. "Manches in der letzten Zeit hat aufgebautes Vertrauen wieder schwinden lassen", sagte Höhn der "Mitteldeutschen Zeitung". "Die große Mehrheit des Parteitages war sich aber einig, dass wir trotz inhaltlicher Debatten immer respektvoll miteinander umgehen müssen."

Mit Blick auf die Spitzenkandidatur für die Bundestagswahl im kommenden Jahr äußerte sich Kipping hoffnungsvoll, dass unter anderem Ex-Parteichef Oskar Lafontaine, der Bundestagsfraktionsvorsitzende Gregor Gysi und Parteivize Sahra Wagenknecht "eine wichtige Rolle spielen". Gysi sagte der "Leipziger Volkszeitung": Ich werde noch mal mit Oskar reden."

Lafontaine schmollt

Lafontaine gab den beiden aber einen Korb. "Diese Frage habe ich definitiv beantwortet", sagte er der "Passauer Neuen Presse". "Wir haben gute Inhalte und auch genügend Personal, das überzeugen kann." Lafontaine hatte bei seinem Verzicht auf eine erneute Kandidatur für den Parteivorsitz auch erklärt, er wolle nicht Spitzenkandidat werden.

Wagenknecht zeigte sich zugeknöpft. "Diese Frage ist für mich offen", sagte sie der "Leipziger Volkszeitung". Sie werde sich für ein möglichst gutes Ergebnis bei der Bundestagswahl einsetzen.

Lafontaine warnte vor weiteren Personaldiskussionen. Die Linke sei inhaltlich eine geeinte Partei. "Alle persönlichen Befindlichkeiten müssen da zurückstehen", forderte er. Bei Bedarf wolle er durch persönlichen Einsatz im Osten dafür sorgen, dass die Linkspartei wieder Zulauf und Erfolge erringen könne, sagte Lafontaine der "Leipziger Volkszeitung". Selbstverständlich könne auch der bei der Wahl zum Vorsitzenden unterlegene Bundestagsfraktionsvize Dietmar Bartsch künftig eine Rolle spielen.

Die SPD soll sich ändern

Lafontaine forderte die Linke auf, ihre Sachvorschläge in den Vordergrund zu rücken. Der französische Präsident François Hollande halte seine Vorschläge zur Lösung der Euro-Krise für richtig. "Aufgrund unserer Streitigkeiten weiß das in Deutschland nur leider niemand", klagte er. Die SPD forderte er auf, ihr Verhältnis zur Linken neu zu definieren und zur Zusammenarbeit bereit zu sein. Ansonsten verurteile sie sich selbst dazu, im Bund Oppositionspartei zu sein.

Die neue stellvertretende Vorsitzende der Linken, Caren Lay, sieht sie in der Wahlniederlage von Dietmar Bartsch auf dem Parteitag in Göttingen keine Schwächung der ostdeutschen Landesverbände. "Katja Kipping ist auch eine ostdeutsche Politikerin", sagte Lay am Montag im ARD-"Morgenmagazin". Die Einschätzung, dass der Osten "abgemeiert" wurde, teile sie nicht. Alle Lager seien im neuen Vorstand vertreten. Nun sei eine "neue Kultur des Miteinanders" nötig.

Mit Blick auf mögliche Koalitionen sagte Lay, sie hoffe, dass sich die SPD der Linken annähere. "Wir hoffen zum Beispiel, dass die SPD unserem Vorschlag folgt und den Fiskalpakt konsequent ablehnt." (dapd)

SPD-Konservative umwerben Linke-Fraktionsvize Bartsch 

Die SPD-Konservativen ermuntern den bei der Vorstandswahl gescheiterten Bundestagsfraktionsvize der Linkspartei, Dietmar Bartsch, zum Parteiwechsel. "Ich würde mich sehr freuen, Sie in der SPD begrüßen zu können. Es wäre ein Gewinn für die SPD und für die Politik in Deutschland", sagte der Sprecher des konservativen Seeheimer Kreises in der SPD, Johannes Kahrs, "Handelsblatt Online".

Er rief Bartsch auf, nicht länger die Flügelkämpfe innerhalb der Linken zu erdulden. "Die SPD ist die starke linke Volkspartei, gestalten Sie mit uns aktiv den Wechsel 2013", sagte Kahrs. (dapd)

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