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"Aufschrei" in Deutschland - hitzige Debatte über Sexismus

Bei Twitter läuft seit Donnerstag eine rege Debatte bei der besonders Frauen von sexuellen Belästigungen und Überbegriffen im Alltag berichten.

Bei Twitter läuft seit Donnerstag eine rege Debatte bei der besonders Frauen von sexuellen Belästigungen und Überbegriffen im Alltag berichten.

Essen.  Die Vorwürfe gegen FDP-Politiker Rainer Brüderle haben auch im Netz eine Debatte über Sexismus ausgelöst. Seit Donnerstagnachmittag wird das Thema bei Twitter unter dem Hashtag #aufschrei in tausenden Einträgen diskutiert. Viele Frauen berichten dabei von persönlichen Erfahrungen mit sexueller Belästigung im Alltag.

Frauen, die von Fremden im Restaurant einfach geküsst werden. Männer, die an der Bar betatscht werden: Bei Twitter läuft seit Donnerstag eine rege Debatte, in der besonders Frauen von sexuellen Belästigungen und Überbegriffen im Alltag berichten. Auslöser sind die Anschuldigungen einer Journalistin, der FDP-Politiker Rainer Brüderle habe sie bedrängt.

In einem Artikel im Magazin „Stern“ wirft die Redakteurin Laura Himmelreich dem FDP-Mann vor, sich bei einem Interview ihr gegenüber unangemessen geäußert zu haben. Zudem soll er ihr bei der Verabschiedung deutlich zu nahe gekommen sein. Die Twitter-Diskussion zeigt, dass sich das Thema Sexismus nicht auf das Feld der Politik beschränkt.

Die Twitter-Nutzerin Anne Wizorek hatte vorgeschlagen, alltägliche Erfahrungen mit Sexismus unter dem Hashtag #aufschrei zu sammeln. Damit löste sie neue Tweets im Sekundentakt aus. Der Begriff #aufschrei war deutschlandweit bereits am Freitagmorgen der meistgenannte Begriff. Sogar weltweit erreichte der Begriff in den Trending Topics einen Platz unter den ersten zehn.

Frauen berichten von sexuellen Belästigungen – aber auch Männer

Es sind vor allem weibliche Nutzer, die von Erfahrungen mit sexueller Belästigung im Alltag berichten. Kati Kürsch schreibt von einem „fremden Mann, der mich im Restaurant auf die nackte Schulter küsste.“ Userin Caro Usel erinnert sich an einen „Taxifahrer, der meinte, dass er mich gratis fahren würde, wenn ich dafür was mit ihm trinken ginge.“

Auch Anne Wizorek berichtet von einem Erlebnis:

<blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p>der typ, der besoffen meine freundin an die wand drückte, so das ich mich zwischen sie schieben musste, um ihr zu helfen. <a href="https://twitter.com/search/%23aufschrei">#aufschrei</a></p>&mdash; anne wizorek (@marthadear) <a href="https://twitter.com/marthadear/status/294594696049725442">24. Januar 2013</a></blockquote>

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In der Mehrzahl sind es Frauen, die ihre negativen Erfahrungen twittern, aber vereinzelt äußern sich auch Männer. Wie AeroSuke, der schreibt: „Auf Hochzeit von Gruppe Sekt trinkender Frauen ü40 als Barmann mit "Komm her Schokopralinsche" gerufen und betatscht werden.“ Und Thomas Arnold hält fest: „Sexismus ist kein AUSSCHLIESSLICH "von Männern" gemachtes Problem“.

User nehmen Anteil am Schicksal betroffener Frauen 

Viele der Nutzer nehmen Anteil an den getwitterten Berichten und Erfahrungen – auch weil sie selbst scheinbar ähnliche Erfahrungen gemacht haben - wie Mahriah, die schreibt, dass sie sich dank der Tweets nicht mehr allein fühle. Nutzer "fröken von Horst" twittert: „Danke, dass ihr eure Geschichten teilt. Das ist ganz groß.“

Viele männliche Nutzer schämen sich für ihre Geschlechtsgenossen oder für ihre eigene Untätigkeit angesichts alltäglicher Situationen, in denen Männer Frauen sexuell belästigen:

<blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p>Die 1000 Situationen, wo man mit "Kumpels" abhängt, und man nicht immer mutig genug für einen <a href="https://twitter.com/search/%23aufschrei">#aufschrei</a> ist. :/</p>&mdash; Julian Finn (@hdsjulian) <a href="https://twitter.com/hdsjulian/status/294598367718297601">25. Januar 2013</a></blockquote>

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<blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p>Gute Aktion: <a href="https://twitter.com/search/%23Aufschrei">#Aufschrei</a>. Schlimm, dass alle so spontan eine Geschichte erzählen können. Schäme mich etwas für meine Geschlechtsgenossen.</p>&mdash; Jan-Paul Laarmann (@Paulezei) <a href="https://twitter.com/Paulezei/status/294595162842210307">24. Januar 2013</a></blockquote>

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Manche Männer sehen sich in der Opferrolle

Es gibt aber auch Nutzer, die Männer zu Unrecht ausschließlich in die Täterrolle gedrängt sehen. So twittert Dennis Mauser: „Frauen sehen sich als Opfer, aber betroffene Männer sollen sich mal nicht so anstellen. So wirds doch gesehen.“ User Ger77 sieht sogar „Menschen per Geschlecht in Geiselhaft“ genommen und twittert:

<blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p>@<a href="https://twitter.com/flunkerbell">flunkerbell</a> Will mich nicht rechtfertigen. Lass mich nicht per zufällig angeborenen Geschlecht in Geiselhaft nehmen. <a href="https://twitter.com/search/%23sexismus">#sexismus</a> <a href="https://twitter.com/search/%23aufschrei">#aufschrei</a></p>&mdash; Ger77 (@astrogk04) <a href="https://twitter.com/astrogk04/status/294759288709193728">25. Januar 2013</a></blockquote>

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