Ehemaliger Innenminister ruht auf Oberbrügger Friedhof

Oberbrügge. Am 20. August ist der 125. Geburtstag eines bundesweit renommierten Politikers, des ehemaligen Bundesinnenministers Dr. jur. Dr. h. c. Robert Lehr. Seine letzte Ruhe fand Lehr 1956 auf dem evangelischen Friedhof in Oberbrügge.

Der 1883 in Celle geborene Jurist war von 1914 bis 1924 Polizeidezernent und Stadtkämmerer in Düsseldorf, bevor er 1924 zum Oberbürgermeister gewählt wurde. Im Sauerland fand er eine zweite Heimat. Dr. Lehr war mit der Tochter des Oberbrügger Unternehmers Hermann Steinbach verheiratet und verbrachte hier die Kriegsjahre. In dieser Zeit gehörte er dem Widerstandskreis um Karl Arnold an.

Als Robert Lehr Oberbürgermeister in Düsseldorf war, hieß sein Kölner Kollege Kon-rad Adenauer. Nach Kriegsende suchten die Alliierten unbescholtene Bürger, die sie an die Spitze der Gemeinden berufen konnten. Auf diese Weise wurde Lehr für kurze Zeit Bürgermeister in Oberbrügge. Doch schon bald rief ihn die Landes- und Bundespolitik. Dr. Lehr war Mitbegründer der CDU. Der Ernennung zum Oberpräsidenten der damaligen Provinz Nordrhein folgte 1946 die Wahl zum Präsidenten des Landtages des jungen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen. Von 1946 bis 1948 war Lehr Vorsitzender des Zonenbeirates der britischen Besatzungszone.

Ab 1949 wirkte Lehr in der Bundespolitik. Er war Mitglied des Parlamentarischen Rates und dort Vorsitzender des Ausschusses für die Organisation des Bundes. Sein Name bleibt mit der Erarbeitung des Bonner Grundgesetzes verbunden.

Dem Deutschen Bundestag gehörte Robert Lehr von seiner Konstituierung bis 1953 an. Hier war er stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für die Angelegenheiten der inneren Verwaltung. Außerdem gehörte er dem Vorstand der CDU/CSU-Fraktion als stellvertretender Vorsitzender an.

Am 13. Oktober 1950 wurde Dr. Lehr als Bundesminister des Innern in die von Bun-deskanzler Konrad Adenauer geführte Regierung berufen. In Lehrs Amtszeit als Minister fällt u.a. anderem die Gründung des Bundesgrenzschutzes, der heutigen Bundespolizei. Bei der Bundestagswahl 1953 verzichtete er aus Altersgründen auf eine erneute Kandidatur.

Auch gesellschaftlich engagierte sich Lehr. Auf seine Initiative hin wurde 1947 die "Schutzgemeinschaft Deutscher Wald" gegründet, deren erster Präsident er war und bis bis zu seinem Tode blieb.

Als Lehr im Oktober 1956, gerade 73 Jahre alt geworden, in Oberbrügge zu Grabe getragen wurde, stellte eine Abordnung des Bundesgrenzschutzes die Ehrenwache. Noch heute tragen die von Robert Lehr und seiner Frau Änne gestifteten Glocken der ev. Kirche in Oberbrügge die Vornamen des Ehepaares.

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